Dann nehm ich eben, was mir fehlt
Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert sogar vor einer Babyklappe, bis eines hineingelegt wird. Und dann werden die Bewusstlosen zu einem verrotteten Plattenbau gefahren und in den 18. Stock geschleppt. Dazu heiter-sanfte Rhythmisierung mit Klarinette und Jazz-Besen.
«Allein, da kannst du viel werden, aber nicht glücklich», erklärt Oliver, gespielt von Samuel Finzi, den erstaunten Gekidnappten am nächsten Tag in der Küche. An die Wand hat er eine Liste mit Familienregeln geschrieben und fordert mit Pistolenunterstützung, dass man ihn «Papa» nennt.
Außer «Mutti» (Nina Kronjäger), «Oma» (Margot Nagel) und den Kindern gehört noch Maya (Anna Maria Mühe) zur «Familie», eine autonome Jugendliche, die einen Platz zum Übernachten gesucht hat. Auch den «Opa» gibt es bald (Harald Warmbrunn), den letzten Mie-ter des Hochhauses, der aufgescheucht wird, als Maya auf der Suche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Soll man Krankheit und Tod als Vorlage für eine chice Performance nutzen? Roger Vontobel lässt die Frage von Mark Ravenhills «pool (no water)» (abgedruckt in TH 06/07) um die vier Titel-Buchstaben kreisen (Bühne Claudia Rohner). Es geht um Eifersüchteleien und Gemeinheiten unter Künstler-Kollegen, um geheuchelte Zuneigung und das Siechtum der erfolgreichen...
Elfriede Jelineks Wortstrom zu «Ulrike Maria Stuart» ist erklärtermaßen für alle theatralen Einfälle offen und in seiner Gänze ohnehin nicht zu bewältigen. Welche enormen Unterschiede mit einer gar nicht so unterschiedlichen Strichfassung zu erreichen sind, zeigen zwei orts- und zeitnah herausgekommene Versionen: In Freiburg inszenierte Michael Simon, der vor zwei...
Zu viele Alte, zu wenige Junge – Deutschlands demografisches Problem betrifft vor allem die Jugend, ihre Zukunft wird verspielt. Wenn schon der Verband junger Unternehmer die Aufkündigung des Generationenvertrags fordert, warum rebelliert die Jugend nicht? Warum nicht ein paar symbolische Robin-Hood-Aktionen: Altenheime ausrauben und von dem Erlös der Beute...
