«Die Profile müssen scharf bleiben»
THAenne Quiñones, Matthias Lilienthal, beide arbeiten Sie seit Jahren mit Gruppen des sogenannten freien Theaters.
Ist das in einer sich pluralisierenden Theaterlandschaft, in der freie Theatermacher zunehmend vom Stadttheater aufgesaugt werden, überhaupt noch ein trennscharfer Begriff, der über die Produktionsbedingungen hinaus irgendetwas aussagt, zum Beispiel über eine bestimmte Ästhetik? Sollte man das Gerede vom Freien Theater vielleicht einfach einstellen?
Aenne Quiñones Es gibt ja immer noch Freies Theater und Stadttheater, beides hat seine Berechtigung und beides bringt interessante Formen hervor. Aber die Grenzen sind fließender geworden und die Produktionsbedingungen auf beiden Seiten komplizierter. In den 90er Jahren sind vor allem im freien Bereich aktuelle Konzepte entstanden, die mittlerweile ins Stadttheater Eingang gefunden haben und für entscheidende künstlerische Neuerungen und einen zeitgenössischen Diskurs stehen. Man sollte darüber nachdenken, ob es nicht etwas Drittes geben müsste, was den Entwicklungen insgesamt gerecht wird. Freie Theater sind nach wie vor finanziell sehr schlecht ausgestattet, Stadttheater schon durch ihre Architektur ästhetisch sehr ...
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Theater heute Juni 2010
Rubrik: Freie Szene, Seite 14
von Eva Behrendt, Barbara Burckhardt, Franz Wille
Peter Zadek hat 1966 im Bremer Theater «Die Räuber» inszeniert, Wilfried Minks hat ihm einen Comic-Strip-Guerillero mit Maschinenpistole im Stile Roy Liechtensteins als Bühnenbild gemalt, Bruno Ganz spielte die Kanaille Franz Moor – und Theaterdeutschland bebte fast so wie der Mannheimer Theatersaal bei der Uraufführung von Friedrich Schillers Stück am 13. Januar...
Jeder ist in seine Tätigkeit versunken, scheint seine Nische gefunden zu haben. Mit Pinsel und Federkiel wird die Erklärung der Menschenrechte, Worte wie «egalité» oder «rights of the human person» auf große Pergamente gemalt. Manche arbeiten im Stehen, einer hockt am Boden über seiner Schrift, ein nächster oben auf einer Leiter. Im Zentrum ein Mann im Frack und...
«Drei Chinesen mit dem Kontrabass» ertönt es fröhlich von der Werkstattbühne des Theaters Ingolstadt. Zwei Frauen und drei Männer in Trainingshosen und kleinen Kochmützchen sitzen beinebaumelnd am Rand einer engen Vertiefung, wärmen sich für ihren Auftritt auf. Über ihnen, an großen Haken, hängen Küchenutensilien und Zutaten. Die restliche Bühne ist mit Matratzen...
