Die Wunden der Überlebenden

Dejan Dukovski «Leere Stadt»

Theater heute - Logo

Das Stück ist eine Irritation. Vor zwei Jahren hatte es seine Uraufführung in Kopenhagen, und schon damals muss es wie aus der Zeit gefallen gewirkt haben. Ein Eindruck, der nun, bei der deutschsprachigen Erstaufführung, noch stärker ist.

Alexander Nerlich inszenierte Dejan Dukovskis «Leere Stadt» im Marstall-Theater des Bayerischen Staatsschauspiels in München, und es wirkte, als tauchten aus dem Dunkel des nur zu gern ersehnten Vergessens zwei Figuren auf, die wie müde, traurige Clowns in einer sich in Trümmern auflösenden Welt herumstehen und dabei an einen Krieg gemahnen, von dem heute keiner mehr etwas wissen will.
 

Der mazedonische Dramaturg und Film-Dozent Dukovski wurde Ende der neunziger Jahren bekannt mit dem Stück «Das Pulverfass», einem (tatsächlich quasi Schnitzlerischen) Reigen des Grauens – kaum war eine Figur als Täter vorgestellt, war sie in der nächsten Szene auch schon tot. Das Irritierende an dem Stück war, dass Dukovski es als Vorahnung des Bürgerkriegs verstanden haben wollte, als einen Vorgriff auf das, was kommen sollte, längst aber schon passiert war. Denn in Dukovskis Stücken geht es, auch wenn man in «Leere Stadt» in der Ferne Geschützdonner hören kann, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2010
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Egbert Tholl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Höher, weiter, schneller

In der U-Bahn würde einem dieser Typ nicht auffallen. Nicht besonders groß, nicht besonders schlank, weder schön noch hässlich, in Jeans und T-Shirt. Wild schlägt und hackt dieser Durchschnittstyp in die Luft, bevor er sich einem Holzklotz zuwendet und ihn so zum Bersten bringt, dass die Splitter ins Publikum fliegen. Die Eingangsszene des ins Nichts dreschenden...

Das Wachsen der Berge

Im Fernsehen spielt Friedrich Gulda Mozart. Er trägt ein buntes Hawaiihemd und hat eine Muslimkappe auf dem Kopf. Gulda könn­te, denkt man, weil er im Fernsehen nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen ist, übertreiben. Der Gedanke kommt einem, weil andere klassische Klavierkünstler statt eines Hawaiihemdes meist ein weißes Hemd und einen schwarzen Anzug anhaben....

Betriebsfeier ohne Betrieb

Es gab einmal Firmen, die mieteten sich für einen Abend ein ganzes Stadttheater, um ihren Mitarbeitern in gediegenem Ambiente mit kulturellen und kulinarischen Häppchen herzlich Dankeschön für Treue und Engagement zu sagen. Auf der Bühne sah man dann unterhaltsame Darbietungen und irgendwann den Chef, der wie ein leutseliger Kammerschauspieler in einem endlosen...