München: Schutzraum Erzählung
Keine menschliche Tragödie ist dem Theater fremd, aber mit Naturkatastrophen tut sich die Bühne für gewöhnlich schwer. In der effektvollen Umsetzung von Weltuntergangsszenarien liegt der Film eindeutig vorn.
Eine der ungewöhnlichsten – und tröstlichsten – Kinoversionen des finalen Crashs lieferte vor acht Jahren Lars von Trier mit seiner in erlesenen Bildern komponierten, menschliche Hilflosigkeit und Hybris nicht ohne Humor feiernden Endzeitelegie «Melancholia», in der die Erde von einem gleichnamigen Himmelskörper gerammt wird und eine psychisch labile Braut, gespielt von Kirsten Dunst, im Vorblick auf dieses unausweichliche Ereignis zu neuer innerer Stärke findet.
An den Münchner Kammerspielen hat Regisseur Felix Rothenhäusler den Plot des Films zur Basis einer sehr pur auf das Sprechen fixierten szenischen Reflexion gemacht, deren Spannung sich allein aus der (Nach-)Erzählung durch die Figuren selbst entfalten soll. Auf einer gläsernen, 30 Zentimeter über den Brettern schwebenden Fläche bewegen sich die Schauspieler wie einsame Planeten im ansonsten von Katharina Pia Schütz leer gelassenen Raum. Von oben beleuchten sie drei Reihen Spots (Licht: Stephan Mariani), die immer mal ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2019
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
Von dieser Seite droht nichts Neues. Das Festival von Avignon in seiner 73. Ausgabe zeigt geradezu exemplarisch das Debakel einer arrivierten, institutionell etablierten, selbstgefälligen Linken in Frankreich. «Il faut réinventer la gauche», werden die soziologischen Revolutionäre um Didier Eribon, Edouard Louis, Geoffroy de Lagasnerie nicht müde zu rufen: Man muss...
Dieses Ende droht uns allen: Pflegestation, Zweibettzimmer. Michael Gerber (Lear) und Markwart Müller-Elmau (Gloster), die beiden an ihrem diktatorischen Starrsinn gescheiterten alten Männer, liegen stumm und apathisch im Nachthemd in ihren vollautomatischen Pflegebetten und machen gleichgültig demente Miene zu allem, was um sie herum geschieht. Offenbar...
Die Marching Band marschiert. Der Trapezartistin Empress Stah glitzert ein Laserstrahl aus der Vulva. Der Stuttgarter Balletttänzer Louis Stiens macht ein paar neoklassische Figuren als glatthäutiges Objekt der Begierde. Und dann wummert der Soundtrack los, «Cut», dunkler Electroclash mit Trap-Elementen, aufgefrischt durch Bläsereinsätze. Und drängt die szenischen...
