Verrutschte Sphären
Wenn zwei sich nicht mehr so sehr lieben, hilft – manchmal – ein Dritter. Ein Nebenbuhler, der die alte Leidenschaft – und sei es nur die Eifersucht – durch sein Begehren in den Köpfen neu entfacht.
James Joyce, der Erfinder des Bewusstseinsstroms, war Zeit seines Lebens besessen von dieser Art des Liebesspiels über die Bande eines imaginierten Dritten, mal, wie in «The Dead», der berühmten Schlusserzählung der «Dubliners», als schuldbehaftete Erinnerung an den toten Geliebten, oder wenn Leopold Bloom im «Ulysses» sich seine Molly in den Armen aller möglichen Männer vorstellt, sie sogar mit seinem geistigen Ziehsohn Stephen Dedalus verkuppeln will.
In seinem einzigen erhaltenen Drama «Exiles» (Verbannte), an dem er zwischen 1914 und 1918, nach der Vollendung von «Portrait of the Artist as a Young Man» und parallel zu «Ulysses» arbeitete, entwickelt Joyce Motive aus «The Dead» weiter und entwirft eine geheimnisvolle, von Verdachtsmomenten und Wunschvorstellungen befeuerte doppelte Dreieckskonstellation. Nach einem längeren Rom-Aufenthalt zurück in Dublin begegnen der Schriftsteller Richard Rowan, unschwer zu erkennen als Alter Ego des Autors, und seine Lebensgefährtin Bertha ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
Es war am 12. November um 15:02 Uhr, ich weiß das so genau, weil ich auf einer Leiter stand und gerade unsere Küche strich, da klingelte das Telefon. «Morgen schreib ich, dass man das Neumarkt ganz anders machen sollte! Alle raus, nur noch Freie rein, einer wie Samuel Schwarz soll das leiten. Oder gehst du etwa noch ins Neumarkt?», sagte mein Ex-Chef vom Zürcher...
Die Intendanz eines gut laufenden Theaters zu übernehmen, ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits kann man auf ein an zeitgemäßen Theaterformen geschultes Publikum vertrauen, muss wenig Aufbauarbeit leisten. Andererseits steht man in Schuhen, die einem leicht zu groß erscheinen können. Einfach ist es also nicht für Christian Firmbach, seit dieser Saison...
TH Gelten die Menschenrechte nur für Westeuropäer? Wie gehen wir mit Flüchtlingen um? An verschiedenen Theatern gibt es dazu mittlerweile Aktionen, darunter besonders hervorstechend die «EcoFavela Lampedusa-Nord» auf Kampnagel in Hamburg, während im Thalia Theater seit Saisonbeginn auch Nicolas Stemanns Uraufführung von Elfriede Jelineks «Die Schutzbefohlenen» zu...
