Seh(n)sucht eines Heimgeflohenen
In den letzten beiden Jahren auf Teneriffa unterzog sich der mit Depressionen und Ehekrisen kämpfende Dichter Franz Xaver Kroetz nach jahrelanger TV-Abstinenz einem aufopferungsvollen Selbstversuch und hätte sich dabei mittels Fernbedienung und Satellitenempfang Dutzender deutscher Privatkanäle wohl beinahe den Goldenen Schuss gesetzt.
«Tänzerinnen + Drücker» heißt die theatrale Ausbeute eines Exzessiv-Fernseh-Deliriums; eigentlich ist es ein einziger Hassausbruch, gepaart mit der geschlechterspezifisch differenzierten Darstellung typischer Spätfolgen von unkontrolliertem TV-Konsum. Dabei interessieren sich die männlichen Probanden erwartungsgemäß vor allem für die äußeren und inneren anatomischen Qualitäten einer gewissen Tina, der zuliebe sie sogar vorübergehend die Fernbedienung aus der zittrigen Hand legen, um diese anderswo zum Einsatz zu bringen.
Die weibliche Kontrollgruppe setzt sich dagegen, obwohl als Altersheim-Insassinnen faktisch vor den Bildschirm gefesselt, mit den letzten Resten ihrer Wunsch- und Leidenskraft gegen die totale mediale Gleichschaltung zur Wehr, indem sie sich nicht mit der Zuschauerrolle zufrieden geben, sondern in bester «Präsidentinnen»-Manier ...
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Geister machen gewöhnlich nachts auf sich aufmerksam. Klopfgeräusche aus dem Schrank oder Geheul im westlichen Flügel sind immer ein Hinweis darauf, dass in der Vergangenheit noch eine Angelegenheit offen ist. Man kann damit locker umgehen und das Gespenst zu dem Familienmitglied erklären, das es meistens ohnehin ist. Oder man kann sich fürchten, dann gehört die...
Der Name klingt holprig und ist zudem schief. «Bühnenbild» – eines jener deutschen Doppelworte, das zwei Begriffe, die nicht so recht zusammenpassen, schamlos hintereinanderhängt in der Hoffnung, dass die dadurch erreichte Verwirrung ausreicht, von unangenehmen Nachfragen abzuhalten. Mit Bildern jedenfalls hat das, was auf den interessanteren deutschen Bühnen neben...
Ja, da muss man sich doch einfach hinlegen: Die Wiener Festwochen 2006 begannen mit einem kollektiven Bed-in. Die Bühne für Ivo van Hoves Theateradaption des John-Cassavetes-Films «Faces» von 1968 besteht aus einer Bettenlandschaft; das Publikum verfolgt die im Stück verhandelte Ehekrise aus der Horizontalen (s. TH 8-9/05). Die Inszenierung ist eine Koproduktion...
