Mannheim: Hotel Seitensprung
Da das mit der romantischen Liebe schon immer eine Mogelpackung war, schickt Roland Schimmelpfennig drei Paare ins Rennen, deren libidinöser Seelenhaushalt mit ausgeglüht hinreichend umschrieben ist. Die besten Tage haben sie hinter sich, also versuchen sie ihre Serotoninbilanz mit Seitensprüngen aufzubessern. Sechs Menschen betrügen sich über Kreuz und steigen mit den Partnern der anderen Seitenspringer im gleichen Hotel ab, ohne dass sie voneinander wüssten. Der Zufall meint es gut mit ihnen. Plötzlich aber geht kurz das Licht aus. Geht es wieder an, hat Frau Z.
zwei Köpfe, während Herr A. ohne Mund weiter plappert, das Herz von Herrn Y. brennt, Herr Z. ein toter Fisch ist, Frau A. zu Stein wird und Frau Y. sich wie eine Motte fühlt.
Das haben sie nun von ihrer unchristlichen Treulosigkeit, könnte man sagen, wüsste man nicht, dass «An und Aus» als Auftragswerk für das New National Theatre in Tokio geschrieben wurde. Schimmelpfennig bewegt sich in einem anderen Kulturkreis und hatte außerdem zu bedenken, dass 2011 das Kernkraftwerk in Fukushima ausglühte. Das hinterließ Spuren.
Die plötzlich auftretenden Mutationen der Seitensprungkandidaten wirken wie unnütze Einsprengsel, als ...
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Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Jürgen Berger
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