Der Chor und der Tod

Das Drama nach der Tragödie: «Die Ereignisse» von David Greig in Wien und London

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Der Titel ist ein Euphemismus: «Die Ereignisse», von deren Folgen das neue Stück des schottischen Dramatikers David Greig handelt, sind kaltblütige Morde. Ein xenophober junger Mann, im Stück nur «der Junge» genannt, hat unter den Mitgliedern eines multikulturell besetzten Amateurchors ein Blutbad angerichtet.

Seit dem Amoklauf ist offenbar schon einige Zeit vergangen, der Täter ist inzwischen ver­urteilt. Für die Chorleiterin aber, die lesbische Seelsorgerin Claire, ist der Alptraum noch lange nicht vorbei.

Den Anschlag hat sie nur überlebt, weil dem Attentäter die Munition aus­gegangen war. Als der Junge Claire und eine zweite Frau in ihrem Versteck aufgespürt hatte, sagte er: «Ich habe noch eine Kugel. Welche von euch beiden soll ich erschießen?» Sie haben ihm die Entscheidung nicht abgenommen und beide «mich» gesagt. Er erschoss die andere.

Kein Wunder also, dass Claire seit den Ereignissen traumatisiert ist. Die quälende Frage nach dem Warum lässt sie nicht los. Sie stellt sie ihrem Psychologen, aber der interessiert sich weniger für die Motive des Täters als für den Zustand seiner Patientin. Sie trifft den Vater des Täters, aber der ist Alkoholiker und kannte seinen Sohn ...

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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 28
von Wolfgang Kralicek

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