Der Sinn hat Schweigepflicht
Wo Fortschritt ist, macht sich auch Nostalgie breit. Wien war bis in die 1990er Jahre noch dermaßen grau, dass man auch ohne hohes Ausstattungsbudget düstere Spionagefilme, die im Kalten Krieg spielten, drehen konnte. In den letzten Jahren hat sich die Stadt massiv verändert, schicke neue Stadtviertel sind aus dem Boden gewachsen, die Zwei-Millionen-Einwohner-Grenze liegt in greifbarer Nähe.
Bei so viel Modernisierungsoptimismus und Internationalität stellt sich natürlich die Frage: Was wird aus dem versifften Glamour, für den die Donaumetropole schließlich berühmt ist, dem legendären Wiener Schlendrian? Aus den abgerockten Beisln, den unfreundlichen Kellnern und überhaupt der Trinkkultur, die Komatrinken bereits zelebrierte, als es noch gar kein Wort dafür gab?
Pippi im Tschocherl-Land
Geht es nach der 31-jährigen Wiener Autorin und Zeichnerin Stefanie Sargnagel, dann braucht die Stadt keine Hipster-Lokale, in denen grüne Smoothies in Marmeladengläsern serviert werden, Dosenbier hat auch seinen Charme. Und überhaupt sollten sich Frauen nicht dauernd darüber Gedanken machen, wie sie ihren Body upgraden können. Sargnagel, die mit wirklichem Namen Sprengnagel heißt, ist das Postergirl ...
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Theater heute Juni 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Karin Cerny
Neue Stücke
Die Reformation feiert Geburtstag – ein Jubiläum, dessen sich das Theater voller Dankbarkeit annimmt. Im Kernland der radikalsten Spielart des Protestantismus, des Pietismus nämlich, erklärt Pädagoge und Dramatiker Jörg Ehni noch einmal, wer «Luther!» war: Die Württembergische Landesbühne Esslingen inszeniert die UA als Freilichtspektakel. «Wir sind...
Alle kennen seit über 20 Jahren das große Theaterkrisenszenario: Eine überforderte Kulturpolitik sorgt bei angespannten kommunalen Haushalten unter abnehmender öffentlicher Theaterbegeisterung für hohen Spardruck, der durch immer mehr Produktionen ausgeglichen werden soll und spätestens dann in die strukturelle Unterfinanzierung mündet, wenn über Jahre...
Schade eigentlich, dass Heiner Müller und Miranda July sich nie begegnet sind. Ob sich der ostdeutsche Intellektuelle, gegerbt von den totalitären Erfahrungen des 20. Jahrhunderts (sowie von Whiskey und Zigarren), und die US-amerikanische Künstlerin, die den menschenfreundlichen Hippie-Charme kalifornischer Esoterik versprüht, irgendetwas zu sagen gehabt hätten?...
