Stadt und Land
Gegen die Idee gibt es gar nichts einzuwenden: die amerikanischen Großstadtneurotiker aus Woody Allens Film «Husbands and Wives» mit Tschechows russischen Landneurotikern aus der «Möwe» zu vermengen. Zweimal in Lethargie und erotischen Projektionen auf blutjunge Mädchen dahinsiechendes Bildungsbürgertum, larmoyante Dekadenz des Geistes und der Glieder, lange Reden, ins Endlose hinaus verzögerte Entschlüsse und in lebenslanger Sehnsucht verhallende Küsse. Das Leben als große Oper der unerfüllten Wünsche.
All das schimmert immer wieder durch in Milan Peschels «Manhattan Möwe». Natürlich bleibt dabei Tschechow, der von Woody Allen als großes Vorbild apostrophiert wird, der Größere, der Poetischere, der Klügere, der Radikalere.
Man hat danach Lust, die «Möwe», dieses wieder- und wiedergekäute Stück der Theatergeschichte, ganz für sich allein zu sehen: die Hollywoodneurosen einer abgetakelten Bühnendiva, ihres schreibenden Dramatikersohnes Kostja und der werdenden Jungschauspielerin Nina. Dieses Stück, gegen das sich der smarte Woody Allen ausnimmt wie ein belangloses Geplauder am Küchentisch.
Und so beginnt «Manhattan Möwe» auch. In der Wohnküche einer engen Bohème-Wohnung in ...
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Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Chronik, Seite 53
von Simone Meier
Sonntag, 2.
10.00, arte: Der Hässliche – von Marius von Mayenburg, mit Frédéric Cherboeuf, Delphine Cogniard u.a., Regie Denis Caiozzi. Aufzeichnung aus dem Théâtre de Grenoble (2011)
Montag, 3.
13.05, arte: Max Frisch, Citoyen – französischer Dokumentarfilm (2008) von Matthias von Gunten
16.15, arte: Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben – Fernsehfilm (2009) von Michael...
Der «bedeutendste Theatermann der Schweiz», als den Thomas Blubacher den langjährigen Zürcher Theaterdirektor Oskar Wälterlin in seiner Biografie beschreibt, ist Wälterlin weder zu seinen Lebzeiten noch vor 50 Jahren gewesen, als ihm das in so manchem Nachruf attestiert wurde; allenfalls war er, wie ihn Rolf Liebermann aus Opernintendantensicht titulierte, «die...
Am Abend, der Tag hält sich jetzt schon wieder etwas länger, sitzen die Männer um den großen Küchentisch herum und machen Brotzeit. Ihr Gespräch dreht sich um den Traktor, den der Seewirt, dieser furchtbar zögerliche Mensch, nun vielleicht doch noch in diesem Frühjahr kaufen wird.
Der Finsterle will mir einen Lanz verkaufen, das wäre momentan der angesagte Bulldog,...
