X money for x Blut
Es beginnt so harmlos, ein Strandidyll: Da aalt sich einer im Liegestuhl, ein Krönchen auf dem Kopf. Den devoten Eifer zweier Penner löhnt er mit einem Bier, und der wonnige Blick auf sanfte Meereswogen ist höchstes Lebensglück. Sewan Latchinian, seit Beginn der Spielzeit Intendant am Theater der Bergarbeiter im 24.
000-Seelen-Städtchen Senftenberg, hat für die Zuschauer, etwa hundert an der Zahl, steil ansteigende Traversen auf die Bühne bauen lassen, und sein Ausstatter Tobias Wartenberg gönnt ihnen den Blick auf eine runde Scheibe, die mit wechselndem Licht den Ablauf der Tageszeiten anzeigt, und aufs weite Meer – nichts als blaugrüne Tücher, über die Sitzreihen garniert. Heinz Klevenow, der Mann mit dem Krönchen, ist Manne Krüger, der Arbeitslose aus der Niederlausitz. Er hat das strahlend ansteckende Lächeln dessen, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Frau und Kind und alle Strafbescheide hat er hinter sich im fernen Guben gelassen. Jetzt ist Langzeiturlaub angesagt am westlichsten Strand Europas, die Ortsbestimmung «Ost – Ende» zergeht auf der Zunge.
Doch Volker Brauns liebevoll exponierte Idylle gerät ins Wanken. Ein Container versperrt die herrliche Aussicht, von einer ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Premiere in Aalen, «Dilldap» am Sonntagnachmittag im Dezember, hin mit den Kindern, in die Märchenkomödie von Dorst und Ehler mit Igel, Schnecke, Perlhuhn und natürlich einem Riesen, mit vielen, vielen Rollen und Verkleidungen. Doch «Dilldapp» in Aalen war einfach Brentanos Märchen. Um, in und unter einem schön schief gezimmerten Kasperlehäuschen spielten sich...
Seit Theresia Walser sich letztes Jahr nach längerer Theaterabstinenz mit zwei neuen Stücken zurückgemeldet hat, herrscht ein dezenter Krieg an deutschen Bühnen: Dramatikerin und Uraufführungsregisseure kämpfen um die Oberhoheit über Texte. Ein Streit, der sich an Jacqueline Kornmüllers bildbeschwerter Stuttgarter Urinszenierung von Walsers «Wandernutten»...
Autoren und Schauspieler mögen Monologe, weil es darin keine Widerrede gibt. Die Theater schätzen Soloabende, weil sie billig und leicht zu disponieren sind. Der Zuschauer aber bezahlt nicht selten den vollen Preis für eine halbe Sache. Entweder der Monolog verweigert sich dem Theater – was auf der Bühne häufig eine Überdosis «Kunst» zur Folge hat. Oder der Monolog...
