Basel: Im Überwachungsdilemma
Vier Aktivisten, schutzatmosphärisch in Kapuzenanzüge verpackt. Vier identische Tischblöcke, als Laborfläche wie als Schreibdesk nutzbar. Mehr braucht es in der Vorstellung des ungarischen Regisseurs András Dömötör offenbar nicht, um die ewig erregungssüchtige digitale Öffentlichkeit mit dem nächsten Scoop zu versorgen.
Tarifpolitisch korrekt steht dem anonymen Chor der Enthüllungsdienstleister (Wanda Winzenried, Martin Hug, Philip Neuberger, Mario Fuchs) auf der Kleinen Bühne des Basler Theaters eine gläserne Raucherpausenbox zur Verfügung.
Außerdem eine Kiste, aus der sie unter reichlich Hallo in guter alter Varietétradition immer kleinere Kisten zaubern, am Ende ein fettes Fadenknäuel finden und mit diesen neonknallfarbigen Stricken sogleich Sigi Colpes klinischen Bühnenraum sinnlos vernetzen.
Wenn das mal keine Clownssatire auf den Enthüllungsjournalismus unserer Tage ist. Die Uraufführungsregie gönnt sich so gleich zu Beginn von Joël Lászlós Stück «Die Verschwörerin» die Freiheit, dem sprachlich überzüchteten Drama eine Slapstick-Pantomime entgegenzustellen. Stumme Szenen sind ja nicht das schlechteste Gegengift, wenn die Wörter und die Bilder um einen herum notorisch zur ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 46
von Stephan Reuter
Franz Wille «Disko» ist Ihr viertes Stück nach «Und dann» (2013), «Vom Verschwinden vom Vater» (2015) und «Drei sind wir» (2016). Im Gegensatz zu Autor*innen-Kollegen, die zum Teil zwei oder drei Stücke in der Spielzeit verfassen, sind Sie da sehr zurückhaltend. Seit der letzten Uraufführung sind zwei Jahre vergangen. Denken Sie ein, zwei Jahre nach, bevor es an...
Haltung mit Unterhaltung», so lautet das Motto der ersten Spielzeit, die die neue Intendantin Bettina Jahnke fürs Potsdamer Hans Otto Theater geplant hat. Das klingt ein bisschen wie Eier legende Wollmilchsau, denn Haltung ist ja jenes Unbeugsame, das erst im Widerspruch zur Allgemeinfreundlichkeit zur Deutlichkeit gelangt. Die Unterhaltung möchte jedermann...
Vollendeten Lektürespaß, gibt der Kölner Intendant Stefan Bachmann in einem Gespräch mit «Deutschlandfunk Kultur» zu Protokoll, hatte er bei «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)» nicht. «Das Lesen von Jelinek-Stücken hat fast was von Folter», gestand er im Vorfeld seiner Ur-Inszenierung der jüngsten Literaturnobelpreisträgerinnen-Textfläche sympathisch...
