Nur ein Spiel
«Meide die Popkultur», riet der Lieder- und Theatermacher PeterLicht einst, «die Popkultur ist nicht gut für uns.» Und der Sänger hatte Recht: Die Popkultur ist eine Fabrik, die Talente einsaugt und Wracks ausspuckt. Zumindest beschreibt Joey Goebel den Komplex in seinem Roman «Torture the Artist» (auf Deutsch 2005 als «Vincent» erschienen) so: Der Held wird als Jugendlicher von einem multinationalen Entertainment-Konzern als talentiert erkannt und fortan mittels manipulativer Techniken daran gehindert, glücklich zu werden.
Denn nur unglücklich kann Vincent kommerziell verwertbare Kunst schaffen.
Goebels Roman ist gespickt mit Verweisen auf US-Pop: Actionfilme, Fernsehserien, Mainstreamrock. Verweise, die sich nicht ohne Weiteres auf deutsche Verhältnisse übertragen lassen, weswegen Alexander Giesche sein «Projekt nach Motiven des Romans von Joey Goebel» am Theater Bremen konsequent aus dem Kulturindustrie-Bezug der Vorlage löst und an den Ort verlegt, an dem Entertainment in Deutschland Mainstream wird – ins Fußballstadion. Gespielt wird auf einem Trainingsplatz des Werder-Nachwuchses, was tatsächlich eine frappierend genaue Übertragung von Goebels Horrorvision auf hiesige ...
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Theater heute August/September 2016
Rubrik: Chronik, Seite 65
von Falk Schreiber
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