Berlin: Große Erwartungen
Die heimlichen Helden des Abends sind die Saaldiener und -dienerinnen. Denn egal, was an diesem Abend auf der Bühne passiert, stets sind sie bereit, unerschrocken in den Zuschauerraum zu stürzen und ungehorsame Gäste zu ermahnen. Also die, die trotz ausdrücklichem Fotoverbot ihr Handy zücken. Schweigsam halten die fleißigen Helfer dann Tablets hoch, auf denen ein durchkreuztes Kamerasymbol aufleuchtet. Aufs Smartphone bannen darf das geneigte Publikum nämlich lediglich das «Verbeugungsfinale», wie laut und deutlich vor Beginn der Aufführung mitgeteilt wurde.
Schließlich herrscht hier nicht die milde Anarchie irgendeiner Hauptstadtbühne, sondern man befindet sich im geordneten Raum des Friedrichstadtpalasts, wo seit Jahrzehnten gut organisiert Tanzbeine geschwungen und schöne Körper ausgestellt werden. Es gibt Begrüßungssekt, und im Foyer steht ein teures Auto, dessen Hersteller den Revuetempel sponsert. Der gewährt dieses Mal statt Busladungen von Touristen, Massen an lokalen Hipstern, Kulturintellektuellen und ein paar fernsehbekannten Promis Einlass. Geladen hat René Pollesch, der im unbehausten Zustand ja gerne mal auf unerwartete Orte ausweicht. Immerhin ist der Palast nur ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2019
Rubrik: Chronik, Seite 50
von Kristin Becker
Albrecht Berblinger (1770–1829) war das Klischee eines schwäbischen Tüftlers: ein gelernter Schneider aus Ulm, der über Jahre hinweg eine «Flugmaschine» entwickelte, eigentlich ein Hängegleiter, der tatsächlich flugfähig war, bei einer öffentlichen Vorführung 1811 allerdings in die Donau stürzte und Berblinger dem Gespött der Bevölkerung preisgab. Der «Wir können...
Lütten Klein ist eines dieser Rostocker Neubauviertel, deren Lage wir Innenstadtkinder bis weit in unsere Schulzeit hinein nie richtig zuordnen konnten. Irgendwo links oder rechts der Stadtautobahn Richtung Warnemünde. Wenn wir in den Jahren nach der Wende mit dem Fahrrad zum Strand nach Warnemünde fuhren, mussten wir zwischen den Plattenbauten von Lütten Klein...
Wie schnell man einen Ausnahmezustand für die Normalität halten kann, zeigt sich, wenn man das Ungewöhnliche der Ausnahme unter die Nase gerieben bekommt. Zum Beispiel im Genre des zeitgenössischen Zirkus. Dort lassen Artisten auch die absonderlichsten Leistungen meistens ganz leicht aussehen – ob sie sich nun zu Drei-Mann-Türmen übereinander stapeln oder einander...
