Abkürzung zur Burg
Der Zürcher Stadtpräsident und Verwaltungsratspräsident der Schauspielhaus AG Elmar Ledergerber sieht unentwegt «Spitzenklasse». Und in manchen Zeitungen wusste man nach Matthias Hartmanns erster Spielzeit von einem «Triumph» an der Kasse zu berichten. Daraus erfährt man zwei Dinge: Was Ledergerber gefällt, und dass ein Anstieg von 6.000 Zuschauern im Vergleich zur vorangegangenen Sparspielzeit als Jubelgrund gilt. Im «Millionenzürich», wie die Bankenstadt bestimmt nicht wegen ihrer Einwohnerzahl heißt, wird neuerdings nicht gegeizt mit der Großfreude.
Warum sich der künstlerische Direktor Hartmann trotzdem als Spielfigur im «heiteren Direktorenkegeln» sieht und sich damit in die Ahnenreihe aus Zürich Verjagter wie Peter Stein oder Christoph Marthaler stellt, hat weniger mit seiner Kunst als mit den Arbeitsverhältnissen in seinem Haus zu tun. Denn man streitet auf allen Ebenen: die Gewerkschaft mit der Direktion und die Direktion unter sich. Da kann ein bisschen «Spitzenklasse» nicht schaden. Worüber man wirklich streitet, ist komplizierter.
Der «Triumph» gehört, meint Hartmann, eher der Gewerkschaft Unia, die Ende November für das technische Personal einen neuen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Dem Vorurteil nach war Arno Schmidt ein ähnlicher Eigenbrötler wie sein österreichischer Kollege Thomas Bernhard. Zurückgezogen auf dem platten niedersächsischen Land lebend, habe er mit niemandem sprechen wollen und keinerlei Störung beim Verfertigen seiner sperrigen Texte geduldet, heißt es stereotyp.
Doch so wie Bernhard seine – gar nicht einmal so seltenen –...
Nahezu am selben Novembertag, als dieses Stück eines jungen iranischen Autors in Köln seine Uraufführung erlebte, betrat ein bis an die Zähne mit Schusswaffen und Bomben bewaffneter Achtzehnjähriger im münsterländischen Emsdetten seine ehemalige Schule, um rund 30 Personen zu verletzen und schließlich sich selbst zu töten. Ob in diesem Fall die Fiktion die...
Vorsichtig bahnen sich drei Kerzen ihren Weg durch ein Tableau aus schemenhaften Gestalten. Stimmen erklingen. Irgendwo in einem dunklen Zimmer haben Tony, Thomas und Christian Buddenbrook das Stammbuch ihrer Familie entdeckt, deren große Zeit längst im dämmrigen Zwielicht der Geschichte in Vergessenheit geraten ist. In Zeiten der Angst vor dem Abstieg...
