Frankfurt: Fest aus dem Fundus
Garantiert anspielungsfrei, aktualitätsresistent und gegenwartsabstinent ist diese Aufführung. Keine Wirtschaftskrise, kein Dschihad und kein Flüchtling trübt die grundschwarze Bühne. Das Spiel kreist, meist aufgeregt, um sich selbst. Natürlich stellt man sich, als Kritiker zumal, bedenklich die Frage, was das soll.
Der «Revisor» ist eine Entlarvungsgeschichte aus der russischen Provinz, wo die gesamte Stadt mit all ihren ehrwürdig-lächerlichen Honoratioren ihrer eigenen Panik aufsitzt, revidiert zu werden.
Ein Stück aus jenem Trug, hinter dem dann doch die lächerliche Wahrheit deutlich wird. Man kann sich das Spiel aus Aufregung, Engelszungen und Bestechung ausmalen, ohne das Stück jemals gesehen zu haben.
Sebastian Hartmann (Regie) unternimmt nicht mal den Versuch einer «Revisor»-Inszenierung. Gleich zu Anfang machen die acht Schauspieler, die mit Frack und Zylinder auch eher wie Zirkusfiguren denn wie Russen aussehen, mit Gerenne und Sprüngen deutlich, wo wir sind: auf einer Bühne. Sascha Nathan stellt dann die Figuren der Komödie vor (bei den Russen ist es ja immer schwierig mit dem Personal), und stiftet damit endgültige Verwirrung: Jeder ist alle. Eine Frage der Verabredung, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute April 2016
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Peter Michalzik
Europa knirscht in seinen Grundfesten. In Brüssel und an den diversen Binnen- und Außengrenzen wird immer hektischer daran gearbeitet, die inneren Fliehkräfte, die es zu zerreißen drohen, und den Ansturm der Hilfesuchenden von außen noch irgendwie zu harmonisieren. Grund genug, auch in der künstlerischen Praxis nach stabilisierenden Zwischenböden zu fahnden,...
China besitzt eine von der hiesigen sehr unterschiedene und auf den westlich und besonders vom deutschen Theater geprägten Intellektuellen zunächst eher fremd wirkende Theaterkultur. So hat das Sprechtheater, bei uns mindestens institutionell noch immer das Herzstück des Theaterlebens, hier eigentlich keine Tradition. Das große Erbe der chinesischen...
Sieben Uraufführungen sind für die Mülheimer Stücke vom 7. bis 26. Mai eingeladen: Yael Ronens «The Situation» (Gorki Theater Berlin) fasst einen zentralen Konflikt der Flüchtlingskrise – die Kultur-, Macht- und Interessenkonstellation im Nahen Osten aus der Perspektive der Betroffenen. Fritz Katers «Buch» (Münchner Kammerspiele/Schauspiel Stuttgart) bilanziert 50...
