Wie frei ist die Freie Szene?
Gerald Siegmund Der Begriff der Freien Szene wurde in Deutschland mit Verspätung in den 1980er Jahren geprägt, wo er verbunden war mit einem bestimmten soziokulturellen Milieu, für das freies Theater in Abgrenzung zum institutionellen Stadt- und Staatstheater stand. Die Abgrenzung erfolgte in Bezug auf Themen, Ästhetiken, Spielweisen und verstärkt seit den 1990er Jahren auch im Hinblick auf die Produktionsweisen der Gruppen.
Macht diese Trennung in Freie Szene und Stadttheater heute noch Sinn?
Martine Dennewald Wenn ich als Ausländerin von außen draufschaue, frage ich mich, was diese Freie Szene heute eigentlich ist. Von ihren Produktionsweisen her betrachtet, sind schätzungsweise 90 Prozent der Künstler, die in Frankfurt leben und arbeiten, «freie» Künstler. Das bedeutet, dass wir von einer Mehrheit sprechen und nicht mehr länger von einer Minderheit oder einer Außenseiterposition zu etwas Etabliertem. Meiner Erfahrung nach entscheidet sich die jüngere Generation von freien Theaterkünstlern nicht mehr gegen eine Institution wie das Stadttheater, sondern sie beansprucht ganz selbstverständlich und selbstbestimmt gewisse Merkmale dieses freien Arbeitens wie Produktionsstrukturen, ...
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Theater heute April 2013
Rubrik: Freie Szene, Seite 36
von Gerald Siegmund
Alles ist verzerrt. Eine Landschaft aus Sitzmöbeln auf weißem Teppich füllt das Braunschweiger Kleine Haus über den gesamten Zuschauerraum bis an die ebenfalls mit weißem Stoff bespannten Wände der Bühne aus. Dazwischen eine einzige Wohnzimmerlampe, ein Flügel und überall Zuschauer, die schon vor Beginn der Show von Tochter Isabelle (Ursula Hobmair) zum Eintreten...
Noch hat Karin Beier die Intendanz am Hamburger Schauspielhaus nicht angetreten, aber der Hype lässt sich schon anfeuern. Zum Beispiel so: «Spiegel»-Autor Wolfgang Höbel hat eine Art Biografie der Theaterleiterin und Regisseurin geschrieben. Mit gerade mal 47 Jahren ist man zwar eigentlich noch nicht biografietauglich – aber seit Beier ab 2007 das vollkommen am...
In den 1970er Jahren habe ich ihn eine Weile gekannt (und ich glaube, ich kannte ihn gut), und nur von dieser Zeit will ich hier erzählen. Es war die Zeit, als Jérôme Savary, der Franzose aus Argentinien, mit dem «Grand Magic Circus et ses Animaux Tristes», also dem Zauberzirkus mit den traurigen Tieren, die Enthusiasten beglückte. Nicht allein in Paris. Die Leute...
