Düsseldorf: Anpassung an Yuppieland

Shakespeare «Der Kaufmann von Venedig»

Theater heute - Logo

Die Frage, ob Shylock gut oder böse ist, ist erledigt. Shakespeares «Kaufmann von Venedig» kann im deutschen Theater nur ein Stück über Antisemitismus sein, kein antisemitisches Stück. Also kann Shylock heute nur beides sein: gut und böse. So will es auch Roger Vontobels Düsseldorfer Inszenierung. Mehrdeutig will sie sein, eine «Gesellschaftsüberprüfung», so Dramaturg Robert Koall im Programmheft. Leider ist sie eindeutig.

Denn die Gegenseite ist zu schwach, um ein differenziertes Gesellschaftsbild zu bieten.

Belmont ist zu sehr eine billig prunkende Glitzerwelt, ein utopisches Yuppieland mit einer alle überragenden Beautyqueen aka Portia. Shylock dagegen wird in seiner Widersprüchlichkeit gezeigt. Ein Geschäftsmann, kühl, sachlich, wenn nötig mit jovialem Humor und verbindlichen Umgangsformen. Und ein gefühlloser Vater, herzlos, streng und bitter, wo man ihn weich und nachgiebig erwartet hätte. Burghart Klaußner wird ein tanzendes Rumpelstilzchen, das vor Freude die Schuhe zusammenschlägt wie ein Kind, als er die Chance sieht, sich an Antonio für alle Beleidigungen und Benachteiligungen zu rächen, die er bisher nonchalant hingenommen hat. Seinen Monolog «Hat nicht ein Jude Augen … ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute April 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Gerhard Preußer

Weitere Beiträge
Film: Schwarzes Loch Heimat

In der Mitte des Films sagt einer der beiden immer wieder auftauchenden, stets zufrieden feixenden Herren im Anzug zum anderen: «Sie glauben, Sie können Vergangenheit so darstellen, wie sie wirklich war?» Der Angesprochene, gespielt vom ehemaligen Intendanten der Münchner Kammerspiele Johan Simons, trägt anlässlich eines Maskenballs kurz nach dem Zweiten Weltkrieg...

Wilfried Minks (1930–2018)

Der Start von Wilfried Minks’ Theaterlaufbahn lag im sprichwörtlichen Kleinstrollendorado, in Wurzen (Sachsen). Dort wurde der 1930 im 200-Seelen-Dorf Binai in Tschechien geborene und nach dem Krieg mit seiner Familie vertriebene Bauernsohn mit 17 Jahren «Stift», also Lehrling des Theatermalers am örtlichen Boulevardtheater: ein Saal mit 350 Plätzen und Premieren...

Vorschau - Impressum (4 2018)

Pläne der Redaktion


Elfriede Jelineks «Am Königsweg»
verbindet mit einer Doppel-Nomi­nierung die jähr­lichen Best-of-Treffenin Berlin und Mülheim: die Erwählten im Überblick, Porträts, Gespräche und Gegenstimmen

Comedy-Queen Idil Baydar erklärt in Falk Richters Hamburger «Königsweg»-Inszenierung als selbsternannte «Problem-Ausländerin» und «Konzept-Migrantin»...