A-Cappella aktuell
Die große Treppe im weiträumigen Braunfels-Bau in München ist ein gestuftes Foyer und normalerweise Aufstieg oder Pausenplatz für Museumsbesucher. Der Berliner Künstler Olaf Nicolai machte sie an zwölf Sonntagen zur Bühne, mehr noch zum Schnittpunkt zwischen Architektur, Performance und Musik. Die Feuilletonredaktionen waren irritiert, ob da der Musikkritiker oder der Spezialist für ungewöhnliche Theaterformen zuständig ist.
Im Zweifelsfall galt dann aber Nicolai, der sonst von der Berliner Galerie eigen + art vertreten wird, als insgesamt gattungsambivalenter Künstler aus der Welt der documentas und Biennalen.
Für diese Lieder-Treppe «Escalier du chant» haben zwölf zeitgenössische Komponisten Gesangsstücke zu aktuellen politischen Ereignissen geschrieben. James Saunders bezog sich etwa auf die Londoner Proteste gegen Studiengebühren, die auch über interaktive Netz– werke organisiert waren. In diesem Sinne ließ Saunders von den vorzüglichen Sängern der Neuen Vocalsolisten Stuttgart ein Stück aufführen, dessen vereinfachte Notation das Publikum in einer Art beliebig neu zu faltendem Leporello mit nach Hause nehmen sollte. Wie diese teilnehmende Verbreitung seines Liedes in ...
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Theater heute Januar 2012
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Thomas Irmer
Wer inszeniert eigentlich noch Heiner Müller? Die Frage lässt sich erschreckend klar beantworten: Im April plant Nuran David Calis in Stuttgart «Der Auftrag», spielplanlogisch die Fortsetzung von «Dantons Tod» aus der letzten Spielzeit, und im November hatte Dimiter Gotscheff Premiere von «Verkommenes Ufer Medeamaterial Landschaft mit Argonauten» im Deutschen...
Eine schmucke kleine Hochzeitsgesellschaft, vielleicht irgendwo auf dem Balkan, wo das legendäre Illyrien liegen soll, vielleicht auch bloß beim Griechen in Bochum-Stiepel. Die Braut trägt Weiß, der Vater des Bräutigams packt langen Unsinn in eine kurze Rede, der Kellner ist nervös, der Bräutigam gibt sich Mühe, nett zu sein. Bis dahin ist alles korrekt (abgesehen...
Die Gehilfin räumt auf. Es soll ja alles spurenfrei und sauber sein für «Die Unter–richtsstunde» im Theater Basel. Eine frische Schülerin läutet. Schnell den Tisch gewischt, eine herrenlose Tasche in die Truhe gepfeffert, die alten Formeln auf der Tafel ausgelöscht, das Transistorradio in der Schürze abgewürgt. Schon stiefelt die Haushälterin (Nikola Weisse) zur...
