Der unendliche Kollaps
Einer kann nicht schlafen. Ein anderer hört die Stimme Gottes. Wieder ein anderer ruft die Polizei. Einer kann sich nicht erinnern. Ein anderer fragt, wie viel Zeit ihm noch bleibt. Wieder ein anderer kennt keine Angst …
Nahezu endlos ließe sich diese Aufzählung von kleinen Handlungssequenzen fortführen. Denn das neue Stück der britischen Autorin Caryl Churchill, die seit den siebziger Jahren die englische Dramatik maßgeblich beeinflusst, zeigt über hundert Figuren in rund fünfzig Szenen.
Nach inhaltlich und formal außergewöhnlichen Stücken wie «Far away» oder «Drunk enough to say I love you» hat die inzwischen 74-jährige Dramatikerin ein neues Experiment gewagt und ist damit ganz am Puls der Zeit. «Liebe und Information» ist ein irrwitziges Szenenkaleidoskop, in dem keine Figur zweimal auftritt, in dem das Banale neben dem Beunruhigenden, das Komische neben dem Katastrophalen, Szenen von ein paar Zeilen neben mehrseitigen Dialogen stehen. Alle Elemente sind ohne wirklich erkennbare Hierarchie, nahezu gleichberechtigt, aneinandergereiht. Es entsteht eine sogartige Bewegung, wie man sie von Google-Suchaktionen kennt, in denen man sich von Link zu Link klickt, gleichzeitig immer ...
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Theater heute Jahrbuch 2013
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 167
von Friederike Engel
Jalta? Verdammt, was war das noch? Traumhafte Kulisse, perfektes Welttheater. Was 1943 auf der Teheran-Konferenz arrangiert und 1945 in Potsdam umgesetzt wurde – in Jalta wurde schon mal darauf angestoßen. Ein Intermezzo, ein Treffen der «Großen Drei» bei kaukasischem Champagner. Ein PR-Coup Stalins, den Blick klar auf eine neue Weltordnung gerichtet. Diese hielt...
Frau Luckerniddle war nicht zu übersehen. Die stets leicht vorgebeugte Pavianpose, mit der sie ihr Hinterteil in die Luft bohrte, dazu das schwarz geschminkte Gesicht, an dessen Rändern die helle Haut der Schauspielerin Isabelle Menke zu sehen war, die Afroperücke, Ethnoklamotten, der starke französische Akzent: Anscheinend wurde hier ziemlich brachial eine...
Das Auswanderergeschäft im 19. Jahrhundert boomte. Amerika war das Ziel, und für besonders utopiefreudige Europäer sollte die Südhälfte des Kontinents bestimmt sein. Zum Beispiel Brasilien: Das hatte sich ein Hamburger Kolonisationsverein ausgeguckt, um mit der Verschiffung deutscher Migranten das ganz große Geschäft zu machen und – so ganz nebenbei – den Traum...
