Die ganz normale Brüchigkeit der Welt
Gehören Sie vielleicht auch zu jenen Zeitgenossen, die ihr Allerwelts-Ich für eine grandiose, singuläre, unverwechselbare Angelegenheit halten? Denken Sie auch, dass Sie mit Ihrer Kleinfamilie, Patchworkbeziehung oder Singledasein und den üblichen Alltagsproblemen ganz uneinholbar einmalig in der Welt stehen? Dass sich jeder für Ihre mickrige Meinung interessieren sollte, was Sie über dieses oder jenes denken? Leiden Sie auch an diesem abendländischen Individualitäts-Größenwahn? Dieser reichlich selbstbesoffene Geisteszustand ist zwar – so viel zu Ihrer Entschuldigung – in alteuro
päischen Gegenden ziemlich verbreitet. Es handelt sich um eine Annahme, an der die örtliche Alltagsnormalität aufruht, und die man hierzulande beinahe für die Natur des Menschen hält. Aber was heißt das schon?
Karin Henkel zeigt, dass es auch anders geht. Wenn sich zum Beispiel nicht wie bei Kleist überschaubare zwei Sosiasse und Amphitryone ihre sogenannte Identität streitig machen, sondern gleich vier oder fünf. Oder wenn dann drei von ihnen über den vierten herfallen oder sich gegenseitig in den Satz fallen, der ja dann auch keinem einen mehr gehört. Selbst althergebrachte Überzeugungen nützen da nicht ...
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Theater heute Jahrbuch 2014
Rubrik: Inszenierungen des Jahres, Seite 124
von Franz Wille
Großes Gedränge bei den Stücken des Jahres! Knapp die Nase vorn hat Sibylle Bergs
«Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen» über das sprachstark einbildungsreiche, doch ereignisarme Leben eines Berliner Mitte-Hipster-Girlies.
Ausländischer Autor ist Martin Crimp, der mit «Alles Weitere kennen Sie aus dem Kino» und «In der Republik des Glücks» für neue Impulse...
Neulich war ich für ein Projekt auf dem Balkan, bestellte bei einem Barkeeper ein Bier, bis er mich fragte, was ich so mache? Ich sagte, ich bin Schauspieler, nein nein, was ich tue, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen; und mit dem Bier schob er mir mein Trinkgeld zurück. Als ich in Thailand dieselbe Frage gestellt bekam, war ich schon gar nicht mehr verwundert,...
Franz Wille (im Intendantinnen-Zimmer) Schönes Büro, man kann hier schon ein bisschen abheben.
Karin Bergmann Hier in dem Zimmer eher nicht. Das Burgtheater birgt zwar immer die Gefahr, dass es so etwas potenziert, aber das ist mehr ein Phänomen für die Feststiege. Hier im Büro holt einen dagegen ständig die Realität ein. Ich hebe nur ab, wenn ich unten auf der...
