Alptraumwandeln
Fröhlich tropfen die Flageoletttöne aus der Ukulele. Pling, pling, tropf. Aber es sind keine Töne, die da tropfen, es ist Blut, Blut aus einem abgetrennten Schädel, der an einer Gaspipeline hängt und langsam ausblutet. Ein roter, tropfender Ball. Angeblich hätten russische Freischärler so die Leichen tschetschenischer Unabhängigkeitskämpfer zur Schau gestellt, zur Demütigung wie zur Abschreckung. Pling, tropf. Ein starkes Bild, ein unerträgliches Bild.
Und in seinem Grauen symptomatisch für Stefano Massinis «Eine nicht umerziehbare Frau», einem «Theatermemorandum» zu Leben und Arbeit der 2006 ermordeten russischen Journalistin Anna Politkowskaja: drastisch, voll bitterem Humor.
Massinis Stück besteht aus Biografiepartikeln, Interviews und journalistischen Passagen, die Politkowskajas Recherchen zum Komplex der Tschetschenienkriege beschreiben. Die Vorlage ist stark, wo sie mit kräftigen Bildern arbeitet, allerdings sind das dann Bilder, die sich kaum noch transzendieren lassen, die jede Regie torpedieren. Anders gesagt: Der Text ist als Text gelungen, weil er es schafft, auf Effekte zu bauen, ohne den Inhalt hinter diesen Effekten verschwinden zu lassen, als Stückvorlage aber ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Falk Schreiber
«Mose wandte sich und stieg vom Berge und hatte zwei Tafeln des Zeugnisses in seiner Hand, die waren beschrieben auf beiden Seiten. Und Gott hatte sie selbst gemacht und selber die Schrift eingegraben.» (2. Mose 32) Zwei Gesetzestafeln, und diese Tafeln stehen jetzt in den Lübecker Kammerspielen, links und rechts der Bühne. Fein säuberlich ist aufgelistet, was der...
Taugt Fellinis «Schiff der Träume», eine Erste-Klasse-Beerdigung verlebter Hochkultur-Träume, zur europäischen Flüchtlings-Parabel? Karin Beier inszeniert im Hamburger Schauspielhaus.
Das neue Stück von Felicia Zeller hält, was sein Titel verspricht: «Zweite allgemeine Verunsicherung». Der Stückabdruck!
Die Londoner Saison hat bisher wieder ein paar interessante...
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
