Ingolstadt: Jammerlappen im Trümmerhaufen
«Wir fallen uns selber zur Last und verstricken uns in uns selbst und ersticken daran fast», heißt es einmal in dem Langgedicht «Brandneue Klassiker» von Kate Tempest. Und das könnte auch das Motto für ihr Theaterstück «Wasted» sein: Drei junge Menschen, die nichts mit sich selber, ihren Körpern und Gefühlen, ihren Sehnsüchten und Verfehlungen anzufangen wissen, die mit Glück ebenso wenig zurechtkommen wie mit dem Scheitern daran, vergeuden ihre Zeit mit Anfällen von Selbstmitleid und Selbsttäuschung.
Sie erwachen aus schiefen Träumen und können sich in der Wirklichkeit nur noch auf wackligen Beinen und über brüchige Gewissheiten fortbewegen – sie sind verloren, haben sich verschwendet, sind verbraucht und ausgelaugt.
Sie sind eben «wasted», und im Deutschen gibt es dafür viele Übersetzungen; Regisseur Donald Berkenhoff lässt sie in Ingolstadt wie einen Auszug aus einem dicken Wörterbuch in Endlosschleife über die Leinwand laufen. Eine halbwegs positive Bedeutung findet sich darunter nicht. Und tatsächlich wird jeder mühsam hoffnungsvolle Ansatz von Ted, Charlotte und Danny, sich aus der frustrierenden Gegenwart zu befreien, von ihnen selber im Keim erstickt. Eigentlich sind es ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Bernd Noack
Dem englischen Kritiker Quentin Letts sind Kontroversen nicht fremd. Für die meisten Insel-Schauspieler ist eine schlechte Kritik dieses bösen kleinen Manns ein Ritterschlag. Die «Times» schrieb, seine regelmäßigen Angriffe seien «hysterisch und würden die Verleumdungsgesetze bis an ihre Grenzen ausreizen». Doch seine aktuelle «Daily Mail»-Kritik der Royal...
Personen:
Jake, Mitte bis Ende dreißig
Kitty, Mitte bis Ende dreißig
Edward, Mitte bis Ende dreißig
Rachel, Mitte bis Ende dreißig
Tim, Mitte bis Ende dreißig
Gayle, in den Vierzigern/Fünfzigern
Zara, Mitte bis Ende dreißig
Laura, in den Vierzigern/Fünfzigern
Gayle und Laura sollten von derselben Schauspie-
lerin dargestellt werden.
Erster Akt
Erste Szene
W...
Früher war Liebe bei Peter Turrini eine Kampfansage. Auf einer Müllhalde («Rozznjogd»), im Kaufhaus («Josef und Maria») oder in der Berghütte («Alpenglühen») kamen die seltsamsten Paare zusammen, und immer stellten sie die kleinstmögliche Form von Bandenbildung dar: zwei gegen den Rest der Welt. Das Rentnerpaar aus seinem neuen Stück «Fremdenzimmer» hat seine...
