Monster sehen anders aus
Der ältere Herr, der aus dem Bühnendunkel ganz nach vorn an die Rampe tritt, sich setzt und mit den Beinen baumelt, sieht aus, als wolle er gleich mit dem Publikum schmusen. Zutraulich lässt Jean-Pierre Cornu seinen Blick über den Zuschauerraum wandern, forscht sehnsuchtsvoll in einzelnen Gesichtern. Ein melancholisches Lächeln spielt um die bitteren Lippen, als wüsste er, dass er mit seinem Schmerbäuchlein, das sich unterm halbtransparenten Seidenhemd wölbt, und der grau melierten Langhaar-Lockenpracht ein bisschen lächerlich ausschaut.
«Ich weiß wirklich nicht, warum ich so traurig bin», gesteht er leise, «es nervt mich. Andere nervt es auch.» Das intime Bekenntnis des venezianischen Kaufmanns Antonio, dessen Flotte sämtliche Weltmeere bereist, hat schon viele Deutungen erfahren: Von der ersten Altersdepression eines Bonvivants über die berufliche Krise des Risiko-Unternehmers bis hin zur unterdrückten Liebe zum flotten Bassanio.
Monster sehen anders aus
Auch Robert Hunger-Bühlers Shylock ist ein Geschäftsmann mit sanften Zügen und silbernem Haar, das sich orthodox von den Schläfen lockt. Um den weißen Hemdkragen liegt ein schwarzes Headset-Kabel, der Gebetsriemen des ...
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Wir persönlich hätten uns ja auch Margot Honecker und Wolf Biermann als «Traumpaar von einst» vorstellen können. Wo Florian Havemann in seinem symbolischen Vatermord-Wälzer «Havemann» gerade so lustig von einem One-Night-Stand der DDR-Staatsratsvorsitzenden-Gattin und -Volksbildungsministerin mit dem ausgebürgerten Sänger plauderte! Egal, ob es sich dabei um...
Madame Bovary ist die Frau eines Landarztes und ein Buch. Und weil es Flaubert geschrieben hat, wurde es ein unübertrefflicher Roman. Chabrol machte daraus einen recht guten Film mit Isabelle Huppert, denn die «Bovary» besteht nicht nur aus Stil, sondern auch aus Story. Diese klamme Liebesgeschichte eignet sich durchaus für ein Ballett, einen Film, ein Ölbild, was...
