Salonbesudelung / Gestrandet
Fünf junge Männer, aus ihrer Jugend gerissen, an die Front. Lars-Ole Walburg verzichtet in seiner Inszenierung von «Im Westen nichts Neues» auf die naheliegende Versuchung, Remarques Schlachtenlärm mit allen technischen Mitteln des Großen Hauses wirkungsvoll in Szene zu setzen, sondern verwandelt den Roman in ein ganz auf Empathie setzendes Kammerspiel.
Ein surrealer, klassizistischer Salon, ganz in Weiß, ist auf die Bühne gebaut (Bühne: Robert Schweer), ganz hinten eine kleine Tribüne, überschrieben mit einer alten Soldatenweisheit.
«Per aspera ad astra» – durch Mühsal zu den Sternen. An den Wänden leere Bilderrahmen, die auch leer bleiben – die Vergangenheit wird an diesem Zwischen-Ort nicht in vergilbten Schwarz-Weiß-Fotos lebendig. In der Mitte steht ein weißer Flügel, an dem eine engelhafte Frau im weißen Kleid klassische Melodien spielt, während die fünf Jungs sich in diesem schönen Zivilisationsraum zu Tode prügeln.
In gepflegten Uniformen landen sie hier, mit dem Enthusiasmus und der Leidenschaft von Abenteuer suchenden jungen Männern. Jeder spielt einen von ihnen, Remarques Text wird verdichtet auf ein Kammerspiel. Wer stirbt, bleibt im Spiel, zieht sich bis auf die ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Chronik Hannover, Seite 56
von Alexander Kohlmann, Tobias Becker
2./Sonntag
2.55, arte: Traum im Herbst Theaterfilm (2011) von Jon Fosse, mit Pascal Greggory, Valeria Bruni Tedeschi, Bulle Ogier u.a., Regie Patrice Chéreau
5./Mittwoch
20.15, ARD: Bornholmer Straße Spielfilm (2014) von Heide und Rainer Schwochow, mit Charly Hübner, Milan Peschel, Ulrich Matthes, Ursula Werner, Margit Bendokat, Hermann Beyer u.a., Regie Christian...
Es gibt Kunstwerke, die sind interessant, weil sie ihre Zuschauer ästhetisch in den Bann schlagen, und es gibt Kunstwerke, die sind interessant, auch wenn sie das nicht tun. Dries Verhoevens vorzeitig abgebrochene Performance für die Programmreihe «Treffpunkte» am Berliner HAU gehört definitiv zur letzten Kategorie. «Wanna Play?» wird wohl als das interessanteste...
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche...
