Das Visier immer oben
Du, Bibiana, bist ein streitbarer Geist, von einer enormen Wachheit und Aufmerksamkeit und einer großen Bereitschaft zum Mitdenken, so dass man sich als Regisseur bis zur Premiere und darüber hinaus in einem Gespräch mit Dir befindet, in dem Lob wie eine unstatthafte Unterbrechung der gemeinsamen Arbeit wirken würde.
Lob hat ja immer auch etwas Gefährliches, weil es abhängig macht, und zwar nicht nur wie eine Sucht, weil man als Gelobter dazu neigt, immer mehr davon haben zu wollen, sondern auch deshalb, weil es den Gelobten sprachlos macht, während er auf Kritik immer mit Arbeit reagieren kann.
Ich halte übrigens die Gefahr in Deinem Fall für nicht besonders groß, weil ich mir nur sehr wenige Dinge vorstellen kann, die Deine Unabhängigkeit ernsthaft gefährden könnten, und ich nicht glaube, dass Lob dazugehört. Das macht mir heute auch Mut, ganz ungeniert draufloszuloben. Deine Kompromisslosigkeit, das Unverbogene, Lautere, manchmal auch etwas Laute, jedenfalls nie Unbestimmte Deines Wesens, eben Deine Unabhängigkeit schätze ich ungemein. Das macht das Arbeiten mit Dir zu einem abenteuerlichen Vergnügen, zu einer steten Auseinandersetzung um Inhalte, Emotionen, Wirkungen und den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2012
Rubrik: Die Spieler des Jahres, Seite 99
von Martin Kusej
Wir sind alle Künstler, wir haben es nur noch nicht alle bemerkt. Und wir sind es nicht mehr freiwillig, wir müssen es sein. Kreativität ist längst eine Leitforderung unserer Gesellschaft: kein Unternehmen, kein Selbstunternehmer, kein Produkt, das nicht in permanenter Innovation, Abweichung, Verbesserung sein Heil sucht. Aber was bedeutet das für das Vor- und...
Ein alter Mann und ein Mädchen begegnen sich in einer Bar. George, der sehnsüchtige Trinker, erliegt dem Blick der jungen Leila, der in seinen Augen die andere Seite der Welt erreicht. Die Amour fou nimmt ihren Lauf: Leila will weit weg gehen – und bei ihm liegen bleiben. Sie ist eine Prinzessin für George, die Möglichkeit, neu zu beginnen, aber vor allem der...
Drei junge Frauen entwerfen einen radikalen Glücksplan für die Gesellschaft, geraten bei der Umsetzung in die Fallstricke des Systems und fahren ihre Mission mit Vollgas gegen die Wand.
Laura Naumann erzählt die Geschichte vom Ende her: Die Figuren sind tot und rekapitulieren von einem nicht weiter konkretisierten Ort aus die beste Geschichte ihres Lebens, ihres...
