Höllenspieler, Spielerhöllen

Des Schauspielers teilbarer Kern in Hamburg: Michael Thalheimer inszeniert Eugene O’Neills «Eines langen Tages Reise in die Nacht» am Thalia Theater; Jürgen Gosch beschließt mit Yasmina Rezas «Ein spanisches Stück» Tom Strombergs Intendanz am Deutschen Schauspielhaus

Theater heute - Logo

Der gewöhnliche Mensch spielt in seinem Leben nur eine Handvoll Rollen. Eine im Beruf, eine für das begehrte Geschlecht, für die Eltern und Verwandten eine andere als für die Kinder, und manche Menschen haben noch eine extra Rolle parat unter der Überschrift «Geheime Leidenschaft» (Autofahren, Lyrik, Swingerclub oder Schalke 04 zum Beispiel). Bei dieser überschaubaren Menge an Fußspuren dürfte der gewöhnliche Mensch also ohne Probleme einen Lebensweg vor sich erkennen, den er mit dem Gefühl beschreiten kann, ein Ich zu sein, ein Selbst zu haben.

Ohne große Dramen wird er relativ genau wissen, mit wem er sich in seinem Körper langweilt.

Aber ein Schauspieler? Was außer Drogen, Psychiater oder der guten alten Metaphysik kann einem Menschen noch die Gewissheit geben, einen unteilbaren Kern zu haben, wenn er dauernd jemand anderes darstellen muss und will? Mangelt es nicht an der natürlichen Konzentration für das Ego, wenn man heute Othello und morgen der Graf von Monte Christo ist? Beobachtet man des Mimens täglichen Wechsel vom Fremd- zum Selbstdarsteller, über den der Boulevard-Journalismus genauso fundiert berichtet wie der Kantinenklatsch, so kann man doch gar nicht anders, als ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2005
Rubrik: Aufführungen, Seite 4
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Studio Helsingör

Man kann es nicht mehr hören, das alberne Geraune um die mögliche Beteiligung der amerikanischen Regierung an den Anschlägen vom 11. September. Dadurch, so geht das Mantra linker Verschwörungstheorie, habe sich die Bush-Administration ihre geostrategischen Weihnachtswünsche endlich erfüllen und über Afghanistan und den Irak zur lang gehegten Weltumarmungsstrategie...

Krieg aus dem Modellbaukasten

Den ganzen Tag über schon hatten sich die Menschen an den Händen gefasst, hatten Lichterketten gebildet und waren bedrückt, gleichwohl befreit vor Gräbern und an Mahnmalen gestanden. Präsidenten beschworen den Frieden, Veteranen gedachten der letzten verhallten Schüsse, das Volk schwenkte Fähnchen: Nie wieder! Der Krieg war 60 Jahre vorbei an diesem Muttertag im...

Die ganze Dynamik

 

In den vergangenen Wochen ist in den Medien viel ums Für und Wider des deutschen Regietheaters gestritten worden. Man nennt so etwas gemeinhin Debatte. Neben der Regietheater-Debatte erleben wir auch noch die Kapitalismuskritik-Debatte. Das Regietheater kommt meist nicht gut weg in der Debatte. Es hatte zuletzt jedenfalls wieder eine schlechtere Presse als der...