Den Schmerz verwandeln
Die Urszene? Vielleicht diese (schwarz-weiß): ein kleines Mädchen auf einem Schulhof, Hamburg, späte 40er Jahre. Zöpfe wahrscheinlich, ein klares, norddeutsches Gesicht, blaue Augen, breite Wangenknochen. Die Nase blutet. Sie hat sich geprügelt, und ist doch eigentlich ein liebes Mädchen, geprügelt um eine Rolle, die erste ihres Lebens: Hauptvögelchen in «Hüang und das Vögelchen», ein Schulspiel.
Sie ist in der dritten Klasse und spielt das Hauptvögelchen, nicht weil sie so gut prügeln kann, sondern weil sie etwas hat, was man nicht erklären kann, aber wahrscheinlich schon bei Achtjährigen sieht: Präsenz, Anmut, Unübersehbarkeit auf einer Bühne. Als sie ein Jahr später auf die Oberschule kommt, schreibt sie ihren Berufswunsch auf: «Schauspielerin, von allen geliebt und geehrt».
Urszenen sind keine Anekdoten. Anekdoten, wenn Hildegard Schmahl sie erzählt, sind aber auch keine Vignetten zur Verschönerung einer Biografie, die man sich gern selber glauben würde. Sondern Erzählfragmente eines Lebens, das sich seiner selbst bewusst geworden ist und dass sie vor der faszinierten Zuhörerin manchmal wie mit einem Staunen offenlegt. Aber: Nicht alles geht alle an.
Denn in wirklichen ...
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