Who is who?

Heinrich von Kleist «Amphitryon»

Theater heute - Logo

Dass das Ich nichts Fixes ist, welche Berufsgruppe wüsste das besser als Schauspieler, die die Ichs ihrer Rollen stets aufs Neue konstruieren und dabei auch noch das private Ich als Konstrukt mit ins Spiel zu bringen haben. So hat Jan Bosse in seiner «Amphitryon»-Inszenierung am Maxim Gorki Theater Kleists Reflek­tion einer existenziellen Verunsicherung zum Anlass einer verschmitzten Reflektion des Theaterspielens genommen. Und sich dabei der Gegebenheiten des vorhandenen Ensembles lustvoll bedient. Das nämlich verfügt in der Person von Michael Klammer über einen farbigen Schauspieler.

Bei Bosse ist Diener Sosias als Schwarzer kostümiert. Wird allerdings nicht von Klammer gespielt, sondern vom schwarz angemalten Schauspieler Robert Kuchenbuch. Klammer spielt Merkur, der den (schwarzen) Sosias spielt. Ein Insider-Scherz.

Eine andere Zuspitzung erfährt das Verwirrspiel mit Amphitryon und Jupiter, die, anders als bei Kleist vorgesehen, von nur einem Schauspieler gespielt werden: Hans Löw, in beiden Rollen derselbe nervös beleidigte Schlaks, was das Durcheinander nicht nur bei Alkmene (Anja Schneider im froschgrünen Seidenkleidchen mit Tiefestdekolletee und wimpernlangem Trend-Pony) ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2007
Rubrik: Chronik, Seite 48
von Barbara Burckhardt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unrecht vergeht nicht

Ein dünnes Rinnsal zackt quer über die Bühne von Barbara Ehnes. Düsteres Licht, sanftes Geplätscher, das in einem kleinen Vorbühnen-Schneerest versickert. Athen kann sehr kalt sein, und selbst die größten griechischen Helden frieren erbärmlich, wenn man ihnen die Sonne abdreht: Stephan Bissmeier zittert beschaulich auf kargem Holzschemel wie der alte Bauer, dem die...

Zickenradau und Zombierequiem

Elfriede Jelineks Wortstrom zu «Ulrike Maria Stuart» ist erklärtermaßen für alle theatralen Einfälle offen und in seiner Gänze ohnehin nicht zu bewältigen. Welche enormen Unterschiede mit einer gar nicht so unterschiedlichen Strichfassung zu erreichen sind, zeigen zwei orts- und zeitnah herausgekommene Versionen: In Freiburg inszenierte Michael Simon, der vor zwei...

Dann nehm ich eben, was mir fehlt

Ein Mann, er heißt Oliver, hetzt nächtens durchs vorweihnachtliche Berlin. Mit einem Feldstecher und einem Fläschchen Chloroform bewaffnet, steuert er seinen kleinen Transporter dorthin, wo er die Einsamen vermutet, und sammelt ein: Die Frau seines Chefs, eine Seniorin, die im Heim vor einem Piccolo sitzt, einen Jungen, der auf dem Spielplatz schläft, er lauert...