«Was haben wir falsch gemacht?»

Sergi Belbel «Wildfremde»

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Wildfremd sind sie einander, die Alten und die Jungen in dieser Familie, die einst bessere Zeiten gesehen hat. Misstrauen, Hass, Bevormun­dung vergiften ihr Verhältnis zueinander.

Gierig grapscht der lustgeile Großvater nach dem jungen Fleisch der fremdstämmigen Haushälterin, der Freiheitsdrang der jungen Tochter entlädt sich in aggressiver Schikane gegen die kranke Mutter, der verklemmte Sohn quält sich mit unterdrückter homoerotischer Neigung – und die Mutter, kaum Mitte vierzig und den Tod vor Augen, versucht mit letzter Kraft, die Krusten der Verlogenheit und Verstellung aufzubrechen, verdrängte Gefühle und verborgene Beziehungen ans Licht bringen. Nur für einen Augenblick sind die Spannungen vergessen, dann, wenn das wirklich Fremde über sie hereinbricht, wenn aus der Wohnung über ihnen schrille Musik losdröhnt, fremde Stimmen lärmend durchs Haus schallen. Dann explodiert die Wut gegen die «Scheißausländer», gegen diese fremden Eindringlinge, die «unseren Frieden und unsere Harmonie stören und unsere Großzügigkeit ausnutzen».
Belbel beobachtet den Zusam­men­prall einer traditionsbewuss­ten deutschen Familie mit nicht näher bezeich­neten Zuwanderern über Jahrzehnte hinweg. ...

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Theater heute März 2006
Rubrik: Chronik, Seite 43
von Erika Stephan

Vergriffen
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