Jugend mit und ohne Gott
Das Theater und die katholische Kirche haben vieles gemeinsam. Beide Institutionen versprechen moralischen Beistand und seelische Reinigung, beide haben trotzdem mit Publikumsschwund zu kämpfen. Während die Kirche dem aufgeklärten Bürger zu dogmatisch ist, verhält es sich mit dem Theater genau umgekehrt: Das «Anything Goes» der zeitgenössischen Bühnensprache wird von konservativen Theaterfreunden als Dekadenzerscheinung verteufelt.
In einer solchen Situation ist es ein interessanter Ansatz, wenn sich Theater und Kirche in der Mitte treffen.
Eine Woche vor Ostern hat das Berliner Maxim Gorki Theater die Stadt mit Plakaten für ein Stück namens «Die Gottlosen» zugepflastert, auf dem folgender Satz von Jean-Luc Godard zitiert wird: «Die Zeit ist derart bedürftig geworden, dass sie nicht mehr in der Lage ist zu erkennen, das Fehlen Gottes als Fehlen zu erkennen.» Unter den Premierenbesuchern, die sich zu ungewöhnlich früher Stunde (Beginn 18 Uhr) vor dem Theater versammelt haben, befinden sich offensichtlich auch Menschen, die normalerweise eher die Kirche frequentieren. «Ich bin mit Schwester Lütgen hier!», verkündet einer. Ein anderer bedankt sich bei seinem Begleiter dafür, dass ...
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Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...
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