Polierte Oberfläche
Das Grauen hat viele Gesichter, und es hat viele Geschichten. Einige der wichtigsten hat Edgar Allen Poe aufgeschrieben. Er ist der Meister des subtilen Schreckens, der den Leser aus dem Hinterhalt mit Gänsehaut und undefinierbarem Unwohlsein überfällt. Ein Sprachkünstler, der in seinen kurzen Erzählungen so beiläufig wie beunruhigend kleine menschliche Grausamkeiten und Bösartigkeiten zelebriert.
Der deutsch-britische Autor und Regisseur Marc von Henning hat nun drei bekannte Kurzgeschichten des dunklen Romantikers zu einem Abendprogramm verarbeitet: «Das ovale Porträt», «Das Fass Amontillado» und «Das verräterische Herz» sind die Basis für die drei Teile seines Projekts «Das falsche Herz. Geheimnisse aus dem Kabinett des Edgar Allen Poe», mit dem er sich in Mainz an einer Dramatisierung versucht.
Das Eröffnungsstück «Das ovale Porträt» ist in einer Rahmenhandlung versteckt: Ein fremdländischer Kunstliebhaber (Thomas Kienast) mit seltsamen Sammelneigungen versucht, dem Publikum einen Vortrag über sein Wirken zu halten. Nur leider bleibt er dabei völlig unverstanden, bis sich eine Landsmännin (Inka Löwendorf) findet, die sein Kauderwelsch ins Deutsche überträgt. Das ist durchaus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Ende vom «Dickicht der Städte», kurz vor dem Einstieg in das Dickicht des Brecht-Abends an der Volksbühne, kommt kurzzeitig so etwas wie Wettkampfstimmung auf: Die dagebliebenen Zuschauer buhen und fletschen die Zähne; die Schauspieler tänzeln aus der Applausordnung, johlen und recken die Fäuste wie Knockoutfighter, die einen laschen Punktsieg gelandet haben....
Samuel Finzi, der Tänzer, der Clown, der Musiker unter den deutschen Schauspielern. Der Elegante. Der Zauberer. Als Iwanow zeigt er, wie eine Figur auf offener Bühne verschwindet, obwohl sie körperlich anwesend bleibt. «Wie machen Sie das?», fragte Henning Rischbieter ihn nach der Premiere anerkennend, und das ist etwas, worauf der 40-Jährige wirklich stolz ist....
Der Mohr hat seine Schuldigkeit längst noch nicht getan. «Ich bin nicht, was ich bin!», sagt Shakespeares schwarzer Mann. Die Frage, die das Ich im Innersten zerreißt, scheint so zeitlos akut zu sein, dass die Theater sich ihr programmatisch widmen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus etwa startet mit dem Motto und dem Drama Ende September in seine neue Intendanz,...
