Auf und zu
Das Gerücht, das Theatertreffen habe sich in den letzten zehn Jahren grundstürzend geöffnet, hält sich hartnäckig. Es habe neuen Inhalten, veränderten Theaterformen oder innovativen ästhetischen Paradigmen den Weg wenn nicht bereitet, so doch geebnet. Stimmt schon, 2002 war zum ersten Mal René Pollesch eingeladen, im selben Jahr hat sich auch Meg Stuart mit ihrer Damaged-Goods-Truppe und «Alibi» in Berlin verewigt. 2004 recherchierte sich Rimini Protokoll in die heiligen Hallen der zehn bemerkenswertesten Inszenierungen, und Alain Platel erstürmte sie mit seinem Mozart-Mix «Wolf».
2005 stand Christoph Schlingensief ante portas mit «Kunst und Gemüse», 2006 Andres Veiel mit seiner ostdeutschen Provinz-Recherche «Der Kick».
2008 verstörte die mehrtägige Lebens-Installation «Die Erscheinungen der Martha Rubin», 2010 empfingen Kelly Copper und Pavol Liska mit «Life and Times 1» zu sozialistischer Gruppengymnastik mit amerikanischer Frühkinderfahrung. 2011 schließlich überschrieben die Altgießener She She Pop Shakesperes «Lear» mit dem «Testament» ihrer Väter. 2012 zeigte Gob Squad lebensweise Greisenkinder in «Before Your Very Eyes», Milo Rau reenactete ruandische Mordpropaganda in ...
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Theater heute Mai 2013
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Franz Wille
Hoch die Flaschen! Zu feiern haben sie nichts, zu ertränken einiges. Sie sind noch nicht alt und doch schon ziemlich am Ende. «Total am Arsch», nennen das die einen, am «Perspektivenminimum» die anderen. Ein lausiges Lebensgefühl haben die Polin Dorota Maslowska (Jahrgang 1983) und der Österreicher Ewald Palmetshofer (Jahrgang 1978) ihrer Generation da abgelauscht....
Drei Tage dauerte das Theaterspektakel der «Moskauer Prozesse» in den Räumen des Sacharow-Zentrums. Genau in diesem Saal stürmten im Jahre 2003 rechtgläubige Aktivisten die Ausstellung «Vorsicht, Religion!», genau hier öffnete vier Jahre später die Ausstellung «Verbotene Kunst 2006». Und genau hier schauten am dritten Tag der «Moskauer Prozesse» rechtgläubige...
Ein Stück für Musik, nicht mit Musik, nennt sich Händl Klaus’ neuestes Werk «Gabe/Gift». Ein Stück für Sprachmusik. Händl Klaus, der Spezialist für das absichtsvoll Unheimliche unter den gegenwärtigen deutschen Theaterautoren, ist auch ein Sprachtüftler. Er erfindet eine Familiensprache – kein Dialog, ein gemeinsamer Monolog mit verteilten Silben. Eine Replik ist...
