Am Boden geblieben
Heute, gestern oder in naher Zukunft. «In der ausgeräumten Chefetage eines längst aufgegebenen Hochhauses», wie der Autor den Spielort der ersten Szene mit dem Titel «Ich bin da» beschreibt, treffen sich nach langer Zeit zwei alte Freunde aus Studententagen: ICH und ER, beide mittlerweile Anfang fünfzig. Einst wollten sie die Sterne vom Himmel holen, so viel Liebe wie möglich und die Welt verändern. Sie nannten es: Revolution machen! Und groß rauskommen gehörte selbstverständlich dazu.
Dabei wusste SIE, die Frau zwischen den Männern, schon immer, dass «das Üble an der Revolution ja die Revolutionäre» sind und spielte lieber Gitarre. So kam es, wie es kommen musste. ICH wurde erfolgreicher Unternehmensberater und blieb allein. ER schaffte den Aufstieg in der Politik, zunächst in Bonn, dann in Berlin und heiratete die gemeinsame Geliebte Maria. Dann kam es, wie es nicht kommen sollte. ICH beriet nicht mehr Unternehmen, sondern Menschen, die an Angst leiden, und ER wurde von seiner Frau verlassen und machte Schluss mit der großen Politik. Jetzt hofft ER auf ein Comeback in seiner Partei oder auf einen Vorstandsposten und glaubt sich «am Ziel oder leicht darüber hinaus». Man(n) gibt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 154
von Horst Busch
Uraufführungen
A
Frank Abt/Dirk Schneider Wenn die Sonne immer noch so schÖn scheint … (Theater Osnabrück) ·· Andcompany & Co. nach Schiller Der (kommende) Aufstand (Oldenburgisches Staatstheater) ··Sefi Atta Hagel auf Zamfara (Theater Krefeld/ Mönchengladbach)
B
Lukas Bärfuss ZwÖlftausend Seiten (Schauspielhaus Zürich) ·· Martin Baltscheit Die besseren...
Es ist merkwürdig: Eigentlich gilt Berlin als Zentrum der Unzufriedenen und Protestierenden und Stuttgart als Ort, wo Reichtum und Zufriedenheit herrschen. Und jetzt ist Stuttgart das revolutionäre Zentrum und Berlin die Insel der Spießigkeit. Berlin hat sich aufgelöst in viele Szenen, die immer auf der Jagd nach den eigenen Projekten sind. Das eigene Leben...
Als Sie alle das «Verrückte Blut» im vergangenen Jahr herausgebracht haben, tobte gleichzeitig die Sarrazin-Debatte. Ihre gefeierte und auch beim Berliner Theatertreffen gezeigte Aufführung handelt von einer konfliktgeladenen Schulklasse und spielt mit den Klischees, aber auch den Wahrheiten von muslimischen Macho-Jungs und vermeintlich unterwürfigen...
