Pasolini als Heilsgeschehen
Spätestens, wenn man die Liegestühle sieht, beginnt man zu ahnen, was Eyüp Yildiz meint. Eyüp Yildiz – das ist der stellvertretende Bürgermeister von Dinslaken, und als solcher hat er bereits vor dem Beginn der ersten von Johan Simons verantworteten Ruhrtriennale eine kleine Debatte ausgelöst.
Yildiz warf Simons vor, die Zeche Lohberg in Dinslaken, die sich der Festivalleiter für seine Auftakt-Inszenierung «Accattone» ausgesucht hatte, bloß als «pittoreske Schachtkulisse» zu missbrauchen, «in der sich die Gesellschaft des Kulturspektakels für einen Sommer lang feiert, um dann weiterzuziehen». Die Lohberger aber hätten Simons nicht zu Gesicht bekommen, die Geste des Dialogs und der Öffnung durch Kultur sei aufgesetzt.
Und nun schaut man also auf diese Liegestühle, die vor der zum gewaltigen Gastro-Foyer umfunktionierten Zentralwerkstatt der Zeche aufgestellt sind. Festivalbesucher in Ausgehgarderobe räkeln sich darin in der Spätnachmittagssonne, das Glas Wein oder die Bierflasche neben sich. Alles nicht verwerflich, nein, alles ganz normal, und man setzt sich sogar gerne dazu. Aber tatsächlich illustriert sich die «Gesellschaft des Kulturspektakels» so gewissermaßen selbst. Von der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Aufführungen/Festivals, Seite 26
von Wolfgang Behrens
Vielleicht wird ja eine neue griechische Regierung der Zukunft Yorgos Loukos zum Kulturminister machen. Wie er das Epidauros-Festival durch Krise und Angst steuert, ist erstaunlich. Wie schon in den vergangenen Jahren dominieren im Programm die griechischen Produktionen. Es gab einige künstlerische Höhepunkte eines jungen griechischen Theaters zu sehen. Auf dem...
Dortmund zeigt «DIE Show». Aber nicht nur das Zeigen («show») wird gezeigt, sondern auch das Sterben («DIE»). Das Leben ist der Einsatz einer Fernsehwette. Ein unbewaffneter Freiwilliger wird eine Woche lang von einem Killerkommando durch die Stadt gejagt. Wenn er überlebt und in der live übertragenen Show ankommt, erhält er eine Million Euro, überlebt er nicht,...
Barbara Marie Brecht-Schall, die Ende August dieses Jahres im Alter von 84 Jahren starb, war nach dem Tod ihrer Mutter Helene Weigel (1971) die bei wichtigen Entscheidungen maßgebliche, nach dem Tod von Stefan Brecht und Hanne Hiob alleinige Hüterin des Erbes ihres Vaters Bertolt Brecht. Sie galt als sehr schwierige, nicht genügend kompetente und in künstlerischen...
