Am katholischen Marterpfahl
Die Wände bilden ein Kreuz – ein metallisch kalt schimmerndes. Die fahrbaren Elemente dieses Drehkreuzes werden in den häufigen Szenenwechseln von jungen schlanken Mädchen verschoben wie Uhrzeiger, die das Vergehen der Zeit und ewige Sisyphos-Anstrengung symbolisieren.
In den Nischen der vier wuchtigen Streben (Bühne Christof Hetzer) wohnen, als wären es Grabkammern, Bernarda Alba und die Ihren: die Mutter, schwarz, streng, aufrecht, Witwe und Braut des Todes, und ihre fünf heiratsfähigen bunten Töchter, die eine Phalanx bilden gegen die Tyrannei der Matrone und selbst noch beim angestimmten «Großer Gott, wir loben dich» aus dem Gesang ausscheren für ein bisschen Himmelreich auf Erden, schon mal einen Charleston-Schritt wagen und sich kokett in hübschen Kleidern drehen.
«Bernarda, dein Mann ist tot!» Mit der Nachricht vom Tod des Gatten und Vaters lässt Hans Neuenfels Lorcas dörfliche Frauentragödie im Kölner Schauspielhaus beginnen. Als bedürfte es dieses hinzugefügten Prologs, als bedürfte es der Axt, mit der Bernarda Alba die nun frei gewordene Hälfte des Ehebetts zertrümmert, um die psychische Ambivalenz von gewonnener Freiheit und sich selbst auferlegter Bindung, ...
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Notizen
Beste Werke
Die immer neue Frage, was ein gutes Stück ist, beantworten ab 12. Mai die Mülheimer «stücke 07» mit den wichtigsten deutschsprachigen Uraufführungen der letzten 12 Monate: Elfriede Jelinek «Ulrike Maria Stuart» (Thalia Theater Hamburg), Feridun Zaimoglu/Günter Senkel «Schwarze Jungfrauen» (Hebbel am Ufer, Berlin), Dirk Laucke «alter ford escort...
Sind wir nicht alle ein bisschen Castorp? Blässlich, kränklich, mittelmäßig?
So jedenfalls sieht es die Regisseurin Friederike Heller, die für ihre Version von Thomas Manns «Zauberberg» am Schauspiel Frankfurt das Publikum gleich mitbesetzt hat. Als schweigende Masse darf es dieser Hans Castorp sein, mit dem Mann in seinem Roman den Durchschnitt zum Helden gemacht...
Wer sich fragt, wie heute ein Großinquisitor aussehen könnte, vor dem die Könige zittern und in dessen Händen alle Fäden der Macht zusammenlaufen, der erhält von Nicolas Stemann im Deutschen Theater eine schlagende Antwort: kein allgewaltiger Politstrippenzieher, keine Spinne im Netz, keine Ähnlichkeiten mit lebenden oder toten Regenten, Präsidenten der...
