Dresden: Die drei Speichen
Finanzratgeberlesern ist der Rabbi Isaac ben Aha natürlich bestens bekannt. Auf ihn geht einer der ältesten Anlagetipps überhaupt zurück, näm-lich die vor 1.600 Jahren im «Babylonischen Talmud» dokumentierte Drei-Speichen-Regel: Mit der Investition des Vermögens in «ein Drittel Land, ein Drittel Handelswaren und ein Drittel bar zur Hand» (heutzutage gern aktualisiert zu Immobilien, Aktien und Edelmetallen) soll auch noch die übernächste Generation vor Krisen geschützt werden.
Diesen Rabbi-Ratschlag hat Olaf Altmann in eine portalfüllende Skulptur verwandelt: Über der Bühne des Dresdener Staatsschauspiels dreht sich eine Art dreispeichiges Riesenrad als schweres Symbol für aufhaltsam wachsenden Reichtum, aber auch treffendes Bild für das drei Generationen umfassende Familienepos «Lehman Brothers», an deren Beispiel der italienische Dramatiker Stefano Massini 150 Jahre Kapitalismusgeschichte rekapituliert.
Sie beginnt im fränkischen Rimpar nördlich von Würzburg. Von dort stammen die Brüder Heyum, Mendel und Mayer Lehman, die um die Mitte des 19. Jahrhunderts einer nach dem anderen ins gelobte Amerika auswandern und in Louisiana einen Tuchwarenladen eröffnen. Doch sie erkennen ...
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Theater heute August/September 2015
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Eva Behrendt
Dunkel und still wie in einem Grab ist es. Plötzlich schneiden gleißend helle Stroboskopblitze einzelne Bilder in die Finsternis: Ein Mann watet durch knöcheltiefes Wasser, trifft auf eine Frau. Im Blitzlichtgewitter und zu anschwellender elektronischer Musik fallen sie wollüstig übereinander her, ein zuckendes triefnasses Knäuel, das sich im Wasser wälzt....
Das ist eine Geschichte, wie sie der, über den in ihr berichtet wird, selber erdacht haben könnte: Der Spitzel eines diktatorischen Regimes hockt jahrelang in seinem Observationskabuff und registriert jede Bewegung des ihm obskuren Objekts seiner Beobachtungsbegierde. Voller Pflichteifer bekommt er aber gar nicht mit, dass der angebliche Staatsfeind längst...
Nichts ist langweiliger als das, was man kann. Gegen derartige Ernüchterung hilft ab und an eine selbstverordnete Irritation, wie es für Schauspieler durchaus der Verzicht auf Sprache sein kann. Eine entschlossene Einzelkämpferin wie Sandra Hüller wagt sich auch schon mal in ungespurtes Terrain, begleitet nur von einer künstlerischen Komplizin, die noch einmal fünf...
