Himmelfahrt mit Vorhang
Wer Marie NDiayes «Drei starke Frauen» gelesen hat, wird keine übertriebenen Migrationshoffnungen in Richtung Europa mehr hegen. In der ersten der drei Geschichten kehrt eine strebsame französische Anwältin, Imigrantin der zweiten Generation, zu ihrem Vater nach Algerien zurück, den sie verachtet, ohne sich seiner zermürbenden Anziehungskraft erwehren zu können. In der zweiten Geschichte zerbricht ein junger Franzose, dessen Vater einst als Geschäftsmann nach Algerien ausgewandert war, fast an den Nachwehen von dessen Verbrechen.
Und in der dritten Geschichte schließlich, die Friederike Hellers «Nach Europa» zugrunde liegt, kämpft sich eine junge Afrikanerin, die von ihrer Familie verstoßen und nach Europa geschickt wird, durch die lange Reise, bis sie schließlich am Grenzzaun ums Leben kommt. Wenn man eine Schlussfolgerung aus den drei Leben ziehen wollte, wäre jede(r) besser zu Hause geblieben.
Im Malersaal des Deutschen Schauspielhauses steht ungefähr drei Meter hinter der Rampe eine raumbreite Wand aus Glas und Metall, die sich in der Mitte schleusenartig öffnen kann, was sie aber meistens nicht tut. Davor zwei Schauspieler, Bettina Stucky und Matthias Bundschuh, dazu ein ...
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Theater heute Januar 2014
Rubrik: Starts/Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille
Noch einen Tag vor der Premiere machte das Gerücht die Runde, man habe sich bei Leander Haußmanns «Hamlet» auf viereinhalb Stunden Dauer einzustellen. Dreieinhalb waren es dann am Premierenabend tatsächlich. Welcher 60-Minuten-Block ließ sich wohl so folgenlos kurzfristig entfernen?
Gut möglich, dass es «Die Mausefalle» war, das Stück im Stück, das Hamlet...
Zurzeit schärfen die Atriden ihre Mordwaffen gern in gutnachbarlichen Wohnzimmern. Stefan Pucher hingegen kümmert sich in seiner Antiken-Variante «Elektra» am Deutschen Theater Berlin wenig um die Banalität der Familie an sich. Sein Interesse gilt eher den Niederungen der Familien-Soap: Wie viel «Denver-Clan» steckt in der Atriden-Dynastie? Welche pop- bzw....
Huch, haben die sich verdruckt? «Christoph Schlingensief» steht in großen Lettern im Hof der Kunstwerke, und darunter nicht etwa seine Lebensdaten, sondern «1.12.13 – 19.1.14». Diese Ausstellung ist eben kein Grabstein, sondern der von Schlingensief zu Lebzeiten selbst mitinitiierte Versuch, das umfangreiche, abenteuerliche Werk des 2010 gestorbenen Regisseurs...
