Das Lied der Heimat
So sieht also der Himmel aus, jedenfalls der von Psychiater Königsforst, 57, aus Wolfen: Kurz nachdem der doppelte Selbstmordversuch mit Gattin Helga kläglich gescheitert ist, ergreift den Mann ein völlig neues Körpergefühl. Peter Kurth wischt sich den erbrochenen Pillenbrei von der Brille, pumpt die Lungen voll Morgenluft, reißt den mittelbraunen Anzug vom Leib, dass die Knöpfe spritzen, und hüpft mit stolzgeschwellter Wampe unter zum Schädelplatzen dröhnenden Tarzanschreien durch die Landschaft.
Gleich in der übernächsten Szene macht er sich an seine liebeskranke Patientin Simone heran, verliert endgültig seinen Job und schreitet fortan sehr befreit und gelassen durch die Welt. Soll niemand sagen, dass im Abbau Ost keine Chancen stecken. Nachdem man mit dem Leben erst einmal probeweise abgeschlossen hat, eröffnen sich ungeahnte Glücksräume.
Dabei fügt sich Fritz Katers neues Stück eigentlich bruchlos in die jüngste Reihe von Ost-Depressions-Dramatik, welche die sozialen Kontaktprofile einstürzender Plattenbauten feiert (Tine Rahel Völckers «Die Höhle vor der Stadt ...») oder autonome Selbstversorgerstaaten in verwahrlosten Neubausiedlungen ausruft (Thomas Freyers «Separatisten»). ...
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Weiß wie Kunstschnee, rot wie Theaterblut, schwarz wie die Black-Metal-Kluft – ein kaltes Märchen bringt die junge französische Regisseurin, bildende Künstlerin und Puppenmacherin Gisèle Vienne mit zum Berliner Festival «Tanz im August». In Frankreich ist die 31-Jährige gut im Geschäft, 2005 war sie mit zwei Produktionen nach Avignon eingeladen. Hier wird sie als...
Eine seiner Geschichten, die er öfter erzählte, als ihr unbedingt gut tat, war der Stuka-Angriff auf den Hafen von Malta, wo die englischen Kriegsschiffe lagen: Wie sich der Bomber mit drohendem Geheul auf die Stadt stürzte, wie die Menschen auf dem Marktplatz als kleine Ameisen panikartig auseinanderspritzten, wie der Pilot die Maschine im letzten Moment wieder ...
Eine zwiespältige Einladung ist das, wenn sich Theaterleute in «Theater heute» über die Kritik und ihr Verhältnis zum Theater äußern sollen. Denn wer als zweiter zieht, zieht immer den Kürzeren. Kritiker zu kritisieren, die einen auch schon mal schlecht besprochen haben, kann schnell etwas Beleidigtes bekommen. Und «die» Kritik gibt es ja auch gar nicht. Und wäre...
