In der «Hamlet»-Welt: Ophelia im Sex/Folterkeller mit dem väterlichen Aufpasser in Erwartung von Hamlet, der sie gleich koprophil beglücken wird; Foto: Julian Röder

Warnung vor dem analen Charakter

Vegard Vinge und Ida Müller verquirlen «Hamlet» und «Baumeister Solness» freudianisch in ihrem «Nationaltheater Reinickendorf» im gleichnamigen Berliner Stadtteil

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Reinickendorf ist ein eher unspektakulärer Stadtbezirk im Nordosten Berlins. Er hat circa eine Viertelmillion Einwohner, wird seit Menschengedenken von einer soliden CDU-Mehrheit regiert, war nie in der Versuchung, auch nur annäherungsweise hip zu werden, und beherbergt unter anderem die «Dicke Marie», Berlins mit angeblich 800 Jahren ältesten Baum, eine imposante Eiche.

Jetzt ist zumindest temporär eine neue Attraktion dazugekommen: das Nationaltheater Reinickendorf, mit dem Vegard Vinge und Ida Müller nach ihrem Auszug aus dem Prater der Berliner Volksbühne in einer alten Industriehalle unter tätiger Mithilfe der Berliner Festspiele eine Zuflucht gefunden haben.

Die Nationaltheatermacher haben keine Mühen gescheut, den Reinickendorfern und allen Fans, die seit «John Gabriel Borkman» 2012 auf weitere Großtaten warten, eine neue Bühne zu schenken. Wer die verwinkelte Anlage im zweiten Stock der angemieteten Halle betritt, die noch auf einen Entwurf von Bert Neumann zurückgeht, spürt sich sofort im Zentrum einer mehrjährigen Bastelarbeit. Das kleine, dort aufgebaute hölzerne Kinotheaterchen mit seinen zehn Reihen für insgesamt 140 Zuschauer ist bis auf den letzten, erlesen ...

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Theater heute Oktober 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Franz Wille

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