Festival II: In der Einsamkeit der Bergwelt
Irgendwann werde ich einmal gehen müssen, hinaus oder hinüber», steht im liebevoll gestalteten Begleitbüchlein, das der Besucherin am Eingang zu Anna Peschkes Installation «Ophiopogon» in die Hand gelegt wird. «Dann wird es vielleicht dieses kleine berylgrüne Heftchen sein, das ein paar Menschen den Zugang zu meinen Welträumen ermöglicht. Sie können hierher zurückkehren.»
Dass auch die Erinnerung unterschiedlichste Zeiten, Räume und Menschen verbinden kann, gerät im Zeitalter der digitalen Vernetzung ein wenig in Vergessenheit.
Man muss nicht gleich die «Auswanderung des Denkens aus dem Gehirn» (Frank Schirrmacher) befürchten, um festzustellen, dass das menschliche Archiv, das Gedächtnis, sich zunehmend durch externe Speichermedien entlastet. In diesem Sinne wollte die Intendantin Veronika Kaup-Hasler das diesjährige Festivalmotto des Steirischen Herbsts «Back to the Future» auch weniger als Spielwiese gegenwärtiger Zukunftsszenarien verstanden wissen, denn als Auseinandersetzung mit «kulturellem Erbe». Auch das Festivalzentrum im GrazMuseum, vom italienischen Architekturkollektiv orizzontale ganz im retrofuturistischen Chic der fortschrittsoptimistischen Space-Age-Ära ...
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Theater heute Dezember 2015
Rubrik: Magazin, Seite 76
von Anja Quickert
Zu Beginn der 1950er Jahre hatte der Zweite Weltkrieg Migrationswellen aus Osteuropa und der UdSSR in Richtung Deutschland gespült. Sie waren im gerade erwachenden Wirtschaftswunderland alles andere als gerne gesehen. Wer Flüchtling war, wurde ausgegrenzt. In einer immer schon migrantisch geprägten Weltmetropole wie New York hätte das, als zur gleichen Zeit durch...
Der Blick geht in Richtung Schnürboden, da oben schwebt etwas. Ein Engel? Oder doch nur das Ozonloch? Wir schreiben das Jahr 1986, die westliche Welt bewegt sich zwischen Milleniumsangst und radikaler Selbstvergewisserung. Kalter Krieg, konservativer Backlash, Umweltzerstörung schaffen eine fiebrige Atmosphäre, in der der Ausbruch der Aids-Epidemie wie ein Fanal...
Am Anfang des Anfangs tritt ein steinalter Rabbi an die Rampe im Schauspielhaus Basel und beerdigt die guten alten Zeiten. Der Bart wuchert fransig, die Stimme fistelt brüchig, und wenn ihm wieder eine Omi aus dem Pflegeheim in der Bronx weggestirbt, spürt der Rabbi, dass bald niemand mehr weiß, wie ein Schtetl von innen ausgesehen hat. Er hat Mühe mit «die...
