Ernst Stötzner (unten in der Mitte) als Schlachter in Karin Beiers Fleischfresser-Parabel «Tartare Noir» am Deutschen Schauspielhaus Hamburg; Foto: Thomas Aurin
Das Herz auf dem Feuer rösten
Die großen Allegorien gehen am Deutschen Schauspielhaus nicht aus: Vorletzte Spielzeit ließ Karin Beier im Angesicht der Flüchtlingszuwanderung mit Fellinis «Schiff der Träume» das alte Wohlstandseuropa seiner dekadenten Abenddämmerung entgegen schippern. Letztes Jahr pfiff Christoph Marthaler in «Die Wehleider» eine Kurgesellschaft panischer Alteuropäer in eine verlassene Flüchtlingsturnhalle zum Refugee-Workout.
Zum Auftakt der neuen Saison hat Regie-Intendantin Karin Beier fürs weiterhin schwankende Grundbefinden der «Ersten Welt» ein kolossales dreigeschossiges Wohnhaus bauen lassen. Von Raumschöpfer Johannes Schütz.
Im obersten Stockwerk geht’s vergleichsweise reinlich zu; es wird unablässig gebadet (Sashiko Hara). Eine Etage drunter hockt ein leibhaftiges Huhn herum, und nebenan beglückt Angelika Richter als eine Art Mauerblümchen-Hostess anonyme Telefonsexanrufer mit routiniertem Stöhnen. Ihre Matratze quietscht dazu fidel. Es ist die Schmuddel-Etage mit Traumschiff-Flair. Im Erdgeschoss wird’s richtiggehend dreckig. Da hat Ernst Stötzner als sinisterer Fleischermeister seine Theke. Und wie’s diese Groteske «Tartare Noir» will, reicht er keine übliche Blutwurst, sondern ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 19
von Christian Rakow
In der Ödnis des Alten Messplatzes, zwischen Wohntürmen und Straßenbahn, umgarnt von frühherbstlichen Winden, steht ein Rund aus Holzbuden. «The European House of Gambling» steht außen angeschlagen, und nach innen öffnen sich die Buden zu einem weiteren Platz. Die Künstlerin Tanja Krone hat diese mobile Spielhölle geschaffen, die erstmals beim Theater Rampe in...
Man darf sich nicht länger umschlungen fühlen. Nach drei Jahren hat der menschenfreundliche Gruß als Motto ausgedient. Das herzlich-humanistische Festival, als das sich unter der Leitung von Johan Simons die Ruhrtriennale präsentierte, hat auch in seiner letzten Saison versucht, die Menschen des Ruhrgebiets als eine besondere Menschheit zu adressieren – eine, die...
Der Reisende ist müde. Zusammengesunken, stumm, mit leeren großen Augen liegt er auf seinem Überseekoffer, als das Schiff langsam in den Hafen gleitet, und selbst der Blick auf die Freiheitsstatue entlockt ihm kaum ein Staunen. Kein Wunder: Der Reisende, Karl Rossmann, ist eine Puppe, und Gefühlsregungen, Bewegungen, Handlungen vollführt diese nur, wenn sie vom...
