David Lynch. Foto: Georges Biard

Kafka an der Wand

David Lynch setzt nach 26 Jahren seine legendäre Serie «Twin Peaks» fort

Theater heute - Logo

Zehn Jahre lang hat David Lynch, nun ja, nicht geschwiegen. Er hat Musik gemacht, das Wetter angesagt, für die eher üble Sekte «Transzendentale Meditation» mis­sioniert, er hat Musik-Videos unter anderem für Moby und Nine Inch Nails gedreht, aber einen Spielfilm von ihm gab es seit dem radikal kryptischen «Inland Empire» nicht mehr. Dann kamen die ersten Gerüchte über eine Fortsetzung der legendären Serie «Twin Peaks» nach einem Hiatus von 26 Jahren.

Lynch sagte zu, Lynch sagte ab, weil der amerikanische Bezahlsender «Showtime» nicht genug bot, nicht genug Geld, nicht genug Freiheit. Dann aber doch.

Die Vorgeschichte ist wichtig, denn das Ergebnis zeigt: Lynch hatte wirklich alle Freiheiten zu tun, was er wollte. Erst sollten es acht Folgen sein, jetzt sind es achtzehn. Gedreht, ohne dass sogar dem Senderchef vorher klar war, in wie ­viele Episoden die Geschichte am Ende zerfällt. Drehbuch: nur die Originalautoren Lynch und Mark Frost, kein Writers’ Room, der kollektiv an Cliffhangern oder Story Arcs tüftelt. Lynch führt bei jeder einzelnen Folge selbst Regie. So etwas gibt es sonst nicht. Serien-Showrunner über­nehmen bestenfalls wichtige Episoden, so war es auch bei den ersten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juli 2017
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Ekkehard Knörer

Weitere Beiträge
Ein Dramatiker seiner Zeit

Als Tankred Dorst schon fast 90 Jahre alt war, 2014, sagte er ganz nebenbei Abschließendes zu jedem überflüssigen Streit über Schauspieltheater oder Performance: «Als ich anfing, Stücke zu schreiben, zu Beginn der 60er Jahre, waren die Grenzen der Darstellung viel enger. Wenn ich mich dagegen heute umschaue, dann sehe ich eine hohe Qualität in einem freien Umgang,...

Diverse Heimatszenen

Wer wissen will, wie es um das deutsch-türkische Verhältnis steht – sowohl unter Deutschen und Türken wie unter Deutschtürken – der ist in der Kölner Keupstraße am richti­gen Ort. Gleich nebenan, im Depot des Kölner Schauspiels, hat Nuran David Calis ein Sequel seiner szenischen Interkultur-Recherchen «Die Lücke» (2014) und «Glaubenskämpfer» (2016) aufgelegt, das...

Vor dem Gericht

Ein Mann, später noch ein zweiter sowie eine Frau – in einer Verhörsituation. Die immer wieder von Jump Cuts kurz gestörten Bilder sind schwarzweiß (so wie der Film insgesamt), die Delinquenten uns gerade zugewandt. Sie haben geschorene Köpfe, tragen stilisierte graue Jacken, sprechen frontal in die Kamera, jeweils im exakt gleichen Ausschnitt, wie auf einer...