Die Geschichte geht weiter
Noch bevor es richtig losgeht, sind sie alle baden gegangen. Zwei Paare, zwei Kinder, zweieinhalb Generationen bundesdeutscher wochenendalkoholisierter gehobener Mittelstand sind schneller abgesoffen, als sie denken konnten. Man hatte eine kleine Bootspartie auf dem See neben der Villa unternommen, da war ihnen die alte Calypso vollgelaufen. Die griechische Göttin hatte einst Odysseus beherbergt und mit neuem Schiff versehen, doch von solchen zukunftsweisenden Gaben ist man heutzutage am wohlsituierten Seeufer weit entfernt.
Das Vermögen stammt aus einem Bürogroßhandel der Wirtschaftswunderjahre, ergänzt durch Maklergeschäfte, der Firmengründer ist eines Tages sang- und klanglos an einem Schlaganfall gestorben, und seine geschäftstüchtige Witwe Marion lebt nun mit einem durchschnittlich verachteten Liebhaber Gunter, einst ihr Angestellter aus der Materialverwaltung. Dann gibt es noch einen Sohn, ein befreundetes Arztehepaar mit Tochter, dazu mit ansteigendem Alkoholpegel die üblichen Sticheleien, über und unter der Gürtellinie. So in etwa die Verhältnisse.
Jürgen Gosch hat Roland Schimmelpfennigs «Calypso» auf der großen Bühne des Hamburger Deutschen Schauspielhauses einen ...
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Madame Bovary ist die Frau eines Landarztes und ein Buch. Und weil es Flaubert geschrieben hat, wurde es ein unübertrefflicher Roman. Chabrol machte daraus einen recht guten Film mit Isabelle Huppert, denn die «Bovary» besteht nicht nur aus Stil, sondern auch aus Story. Diese klamme Liebesgeschichte eignet sich durchaus für ein Ballett, einen Film, ein Ölbild, was...
Im Moment verfolgt das Frankfurter Schauspiel unter anderem bundesrepublikanische Familiengeschichten, in denen en passant ökonomische Turbulenzen von den Wirtschaftwunderjahren bis hin zum Turbokapitalismus der New Economy verhandelt werden. Auf Jan Neumanns «Kredit» (siehe S. 40ff. in diesem Heft) folgt Kai Ivo Baulitz’ «Transporter», mit dem der 36-jährige...
Erwin Geschonneck war schon 43 Jahre alt, als er in seiner Heimatstadt Berlin debütierte. In der ersten Aufführung des neugegründeten Berliner Ensembles, Brechts «Herr Puntila und sein Knecht Matti», spielte er den proletarischen Widerpart des Gutsbesitzers und Leuteschinders, den der von Brecht aus der Schweiz geholte Leonard Steckel schon bei der Zürcher...
