Zwei Belgier in Bayern
Sechs Hunde, sechs Menschen, da muss man stark sein, um nicht vor der vierbeinigen Authentizitäts-Offensive auf der Bühne zu kapitulieren und als menschlicher Akteur womöglich in der Herrchen/Frauchen-Rolle steckenzubleiben. Für echte Theatertiere kann die unmittelbare Konkurrenz aber auch Ansporn sein, Instinkt und Intellekt mit animalischer Selbstverständlichkeit zu bündeln, so zu sehen im vergangenen Herbst zu Beginn von Johan Simons’ Intendanz an den Münchner Kammerspielen.
Autonome Unterwanderung
In der tierisch traurigen Hundemenschen-Groteske, von Alvis Hermanis sehr frei nach Jack Londons Schlittenhund-Roman «Der Ruf der Wildnis» arrangiert, gab es nicht nur Naturtalente aus der Zamperl-Fraktion, sondern vor allem zwei neue Gesichter im ansonsten fast vollständig von Frank Baumbauer übernommenen Ensemble zu entdecken. Benny Claessens und Kristof Van Boven, beide 1981 in Belgien geboren und von Simons nach München geholt, sprechen perfekt Deutsch, und es ist auch keineswegs der sympathische Hauch eines kehligen Akzents, der einen aufhorchen lässt. Vielmehr hat man ein bisschen das Gefühl, als würde ein etabliertes Kulturinstitut wie die Kammerspiele von zwei Autonomen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2011
Rubrik: Akteure, Seite 38
von Silvia Stammen
Laura de Weck ist gerade 30 geworden und macht gerne wenig Worte um Weniges.
Die Worte sitzen dann in aller Schlichtheit so präzis ineinander wie korrekt verschraubte
Ikea-Möbel. Sie erzählt mit trockenem Witz kleine Geschichten, die jeweils in Rekordkürze
und mit einem Rekordreduktionismus zwar noch nicht zum großen Gesellschaftsentwurf, aber doch immerhin zu...
«Der Verschollene» sollte nach Kafkas Willen der Roman heißen, nicht «Amerika». Diesen Titel erhielt Kafkas unvollendetes Werk erst durch seinen Herausgeber Max Brod. Aber nicht der Mensch, der verschwindet, sondern das Land, in dem er verschwindet, steht in der Bochumer Bühnenfassung im Mittelpunkt. In Kafkas Roman gerät sein junger Held Karl Rossmann auch in der...
Alvis Hermanis wurde im Westen zwar mit Gogols «Revisor» bekannt; berühmt aber ist der lettische Regiestar nicht für seine Repertoireinszenierungen, sondern für semidokumentarische Abende wie «Das lange Leben» oder «Väter», die er gemeinsam mit den Schauspielern entwickelt. Um Shakespeare oder Tschechow hatte Hermanis bisher einen Bogen gemacht. Bei Shakespeare...
