Manuel Gerst/Monster Truck: Staat der Dicken
Unser Staat ist ein Staat der Dicken. Wer zu wenig wiegt, muss essen. Aber nur bis zu einem Limit; wer zu fett wird, muss wieder abnehmen. Der Dickste ist nicht der Chef. Es gibt keinen. Alle sind gleich dick. Da kann sich keiner beschweren, dass jemand mehr oder weniger hat. An Leibesfülle. Jeden Morgen um Punkt sechs Stelldichein beim Bäcker. Ein Stück Sahnetorte, nicht mehr. Baguettes und Croissants jeweils drei. Jeder Mensch hat eine Waage auf Rollen, auf der er sich wie auf einem Skateboard fortbewegt, so dass er immer über sein Gewicht Bescheid weiß.
Wenn man doch zu viel oder zu wenig auf den Hüften hat, geht man in die Abspeckzelle bzw. in Einzelhaft beim Konditor. Selbstgewählt und glücklich.
Wer zu kurze Arme hat, bekommt Verlängerungen, wer zu klein ist, Stelzen. In jedem Dorf darf es nur einen Friseur geben, der nur einen Haarschnitt kann. Und sein Kollege ist ein Haarfärber. Einmal im Monat geht ein jeder Bürger zu ihm, um sich die Haare färben lassen. Damit es nicht gar zu eintönig wird, bekommt jeder Monat eine eigene Farbe. Der Juli ist z. B. blau, der Dezember aber rot. Ein Malermeister malt die Haut in der gleichen Farbe an, das muss aber jeden Tag passieren, da ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 38
von Manuel Gerst/Monster Truck
Kann es ein ideales Staatswesen geben, in dem alle Menschen frei und gleich sind? In «Utopia» entwarf Staatsmann und Humanist Thomas Morus 1516 eine ideale Gemeinschaft. Morus beschreibt in diesem prägenden Werk «De optimo statu rei publicae deque nova insula Utopia» («Von der besten Verfassung des Staates und von der neuen Insel Utopia») ein erfundenes Inselreich...
Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder...
Vor ein paar Tagen saß ich mit der Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe zusammen, um über die «General Assembly» zu sprechen, die wir im November in Berlin veranstalten: den Entwurf eines Weltparlaments, das drei Tage dauern wird, mit 60 Abgeordneten aus der ganzen Welt, einem Ältesten- und einem Expertenrat, zu dem auch Chantal gehören wird. Dieser Rat wird am...
