Historisches Treibgut
Wer noch vor Ende des letzten Jahrtausends Geisteswissenschaften studierte, hielt dieses gigantische, absatzlose Buch gewiss in den Händen. Ob als Seminarthema, in intensiver Einzelstudie oder studentischer Arbeitsgruppe – «Die Ästhetik des Widerstands» war Kultbuch und Pflichtlektüre. Denn hier wurde der Widerstand der Arbeiterbewegung gegen den Faschismus zwischen 1937 bis 1942 gründlichst verhandelt und gefragt, was Kunst in diesem Zusammenhang leisten kann.
Zugleich staunte man über die Wucht der Form, die genresprengende Dimension des 1000-seitigen Werks, das mit seinen kunsttheoretischen Betrachtungen und geschichtlichen Abhandlungen mehr Essay als Roman zu sein schien. Heute ist das zwischen 1971 und 1981 entstandene Hauptwerk von Peter Weiss selbst den Studierenden größtenteils unbekannt. Das mag am verschulten System von Bachelor und Master liegen, möglicherweise auch am bierernsten Pathos des Werkes aus dem totalitaristischen Geist des 20. Jahrhunderts. Zudem ist die schwierige Auseinandersetzung der Linken mit sich selbst längst in eine andere Phase eingetreten. Hauptangriffsfläche und Problem sind nicht mehr Faschismus und schlecht realisierter Kommunismus. Vielmehr ...
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Theater heute August/September 2012
Rubrik: Chronik, Seite 58
von Natalie Bloch
Ein sonniger Samstagabend im Juni: Friedlich liegt es da, das Occupy-Camp zu Füßen der Frankfurter Banktürme. Um den Zeltplatz herum: ein «Zaun» aus Plakaten zwischen Wut und Enttäuschung. Dazwischen die Ankündigung eines Kulturwochenendes. An einem Zelt, deutlich kleiner geschrieben, eine Liste: «Wir brauchen: Zelte, Schlafsäcke, veganes Essen.» Zwischen den...
Sie ist die Grande Dame der deutschen Bühnenverlage, er der Dandy der deutschen Theaterwissenschaft: Maria Sommer, 90, leitet bis heute den Gustav Kiepenheuer Bühnenvertrieb. Im Gespräch erzählt sie von ihrem Einsatz für die Urheberrechte und ihrer Freundschaft mit Günter Grass, Christa Wolf und George Tabori.
Andrzej Wirth, 85, übersetzte mit Marcel Reich-Ranicki...
Theater ist eine kollektive Kunst», befindet (und praktiziert) der Regisseur (und seit Herbst 2011 Intendant der Stuttgarter Staatsoper) Jossi Wieler. Und er sucht (und findet nicht immer) zusammen mit Dramaturgen, Bühnenbildnern, Dirigenten und Darstellern die gesellschaftliche und individuelle Wahrheit, Triftigkeit, die Gegenwärtigkeit der Bühnenvorgänge....
