Engel in Seide, Satan am Set
Am 25. August wurden König Ludwig I. (1786) und Ludwig II. (1845) geboren – und Jürgen Rose: 1937. Der erste baute die Stadt München zur Metropole aus mit Oper, Uni, Pinakothek; der zweite ließ Schlösser für Träume errichten. Der dritte baute traumhafte Kulissen und fantastische Dekors in den Theatern der Welt.
Roses Vorfahren, von Mutters wie von Vaters Seite, waren Großbauern auf Gehöften zwischen Halle und Magdeburg, mit Mägden, Knechten, Gesinde, mit Vieh und Erntewägen, mit Backen, Einwecken, Kochen.
Da hat er sie wohl her, die Lust am Schauen und Gestalten, am Greifen, Riechen, am Farbensatten und Nuancendurstigen
Jürgen Rose ist unter den Bühnen- und Kostümbildnern der König Ludwig im Luxusrevier, trunken von der eigenen Schönheitslust, schwärmend von Materialqualitäten, unerbittlich in seiner Forderung nach Präzision und Echtheit. Bei seinen Kostümen versunkener Zeiten gibt’s keinen Reißverschluss unter Blendknöpfen – da wird geknöpft; und Stofftapeten haben aus Stoff zu sein, selbst wenn man sie extra weben muss!
Ausgiebig lässt sich das nun überprüfen in dem Drei-Kilo-Prachtband zu seinem Lebens-werk. Auf gut 450 großflächigen Seiten – davon ein Drittel Text, zwei ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Michael Skasa
Die Brandstifter sind unter uns. Ihr Werkzeug verteilt sich im Laufe des Abends über die ganze Bühne: Unmengen von kleinen Hölzchen, nur ohne rote Köpfchen – symbolisch leicht entschärfte Streichhölzer, die sich, erst wie ein Teppich aufgeschüttet, immer mehr im Raum verstreuen. Echte Zündhölzer dürften in dieser Masse wahrscheinlich sowieso nicht ins Theater –...
Vielleicht verlaufen solche Lebensgeschichten tatsächlich so notdürftig. Seit Jahren geht die Ungarin Anna (Annamaria Lang) in Zürich anschaffen. Ihr eigener Bruder hat sie in die Prostitutionsfalle gelockt, mit Kokain und Geldversprechen. Jetzt bedient Anna ihren Freund Fritz (Fritz Fenne) auf dem Sofa. Beide sind splitternackt, ansonsten herrscht keine...
Vielleicht ist nichts, wie es scheint. Wenn man statt der Augen grüne Gläser hätte, hielte man die Welt für grün – und das Falsche für wahr. So ähnlich sagte es Kleist, sein berühmtes Zitat hat der Niederländer Bram Jansen seinem «Käthchen von Heilbronn» im Schauspiel Oberhausen zu Beginn auf den Gazevorhang projiziert. Kurz leuchtet ein Märchenkasten auf, eine...
