Nicola Mastroberardino als Franz Woyzeck inmitten des Basler Ensembles, Regie und Bühnenbild: Ulrich Rasche. Foto: Sandra Then

Die Gesetze des Unglücks

Zivilisationskritische Aufschläge in Basel und Zürich: Ulrich Rasche inszeniert Büchners «Woyzeck», Frank Castorf psychedelisiert zwei Dostojevski-Erzählungen in «Die fremde Frau und der Mann unter dem Bett»

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Die stärkste Szene dieses «Woyzeck» hat Ulrich Rasche kurz vor der Pause platziert. Es ist die Wirtshausszene, in der die Gäste ihre Nasen schon sehr tief in die «Brandewein»-Gläser gesteckt haben oder auf dem Tanzboden gierig übereinander herfallen. Auf der Bühne hört man freilich davon nur. Die metallene Drehscheibe, die Rasche diesmal als Bühnenelement entworfen hat, erinnert zwar an jene den Gleichgewichtssinn fordernde Karussells, die man auf Jahrmärkten oder Spielplätzen findet.

Hier wird sie jedoch, nach hinten gekippt, in Reih und Glied von einer Truppe schwarz gegürteter Wirtshausgäste bestiegen, darunter auch Woyzecks Peiniger und Arbeitgeber, die das Lied vom «Jäger aus der Pfalz» singen und delirierend fragen, was denn der Mensch sei.

In diesem geordneten Tumult sieht Woyzeck, dass er mit seiner Moral alleine steht. Denn Marie, für die er sich mit hat ausbeuten lassen, hat sie zweifelsohne nicht. Und so wettert er mit zweiter Stimme gegen den unerbittlichen Chor: «Dreht euch, wälzt euch. Warum bläst Gott nicht die Sonn aus, dass alles in Unzucht sich über­nander wälzt, Mann und Weib, Mensch und Vieh. Tut’s am hellen Tag, tut’s einem auf den Händen wie die Mücken. Weib. ...

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Theater heute November 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Eva Behrendt

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