Neues von der Peripherie
Ein Thema, das sich zwar keiner großen Beliebtheit, aber großer Bekanntheit erfreut: das Sterben. Die jüngere Generation hält es für eine lästige Begleiterscheinung des Lebens. Die mittlere Generation betrachtet es schockiert aus der Distanz, die ältere argwöhnisch aus der Nähe. Im Theater sitzen sie nebeneinander und schauen auf Biljana Srbljanovics neues Stück.
Stücke über das alltägliche Sterben, nicht über das Resultat, den Tod, sondern über den ruhmlosen Prozess des Auf-ihn-Zutreibens, über das gewöhnliche, völlig unexemplarische Jedermanns-Sterben, sind selten.
Biljana Srbljanovic hat es mit der ihr eigenen selbstsicheren Selbstentblößung gewagt, in einer Rede im Wiener Burgtheater im letzten Jahr das Sterben ihres Vaters zum Anlass von Reflexionen über ihr Land, Serbien, und sich selbst zu nehmen. Und sie hat es nun gewagt, diese hochpolitische, zutiefst private Rede als Ausgangspunkt für ein Theaterstück zu nehmen. Der Auftrag kam vom Schauspielhaus Bochum.
Die Vater-Tochter-Beziehung ist der Kern des Stückes. Solche Beziehungen können auch über räumliche Distanz hinweg sehr eng sein. Das kennen wir. Biljana Srbljanovic zeigt uns eine balkanische Steigerung. «Ich hatte, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2012
Rubrik: Ausland, Seite 14
von Gerhard Preußer
im Februar 2011 haben wir in einer ausführlichen Umfrage nach Ihren Eindrücken und Verbesserungsvorschlägen für «Theater heute» gefragt. Der Rücklauf war doppelt überwältigend. Fast 1000 Antworten auf lange Fragebögen – so viel Zeit und Aufwand allein beweisen, was Ihnen diese Zeitschrift wert ist. Und die überwältigende Zustimmung zu den redaktionellen Inhalten,...
Lässt die französische Hausfrau ihrem Unmut freien Lauf, wissen die Kinder, dass sie sofort ihr Zimmer aufräumen müssen. Immerhin hat die Mama mit ihrem «Oh, le bordell» einen Zustand der größtmöglichen Unordnung markiert, den sie nicht mehr länger zu dulden gewillt ist.
In etwa so ist es auch in Shakespeares «Maß für Maß» und Jean Genets «Der Balkon», die jetzt in...
Freies Theater» war mir lange eine eher Beklemmung auslösende Kategorie aus der Vergangenheit. Ich denke vor allem zurück an viel Unfreiwilligkeit. An Instandbesetzung und Beharrungsvermögen, an sehr lokale Phänomene unterhalb des Tellerrands, an basis–demokratische Gruppen mit der charmant-militanten Ausstrahlungskraft von Stadtteil- und Soziokulturprojekten. War...
